Freitag, 17. August 2018

17. August 1918



„Am 17. August, 5.50 Uhr vormittags setzt schlagartig Trommelfeuer auf die Haupt-widerstandslinie der ganzen Front ein, es war deshalb keine Überraschung für uns, als der Gegner 20 Minuten später aus dem noch vor wenigen Tagen von uns besetzten Park von Goyencourt in südöstlicher Richtung in dichten wellen, unterstützt durch 8 Tanks, die auf der Staatsstraße Amiens – Roye anfuhren, die Division angriff. Den Hauptstoß hatte das Res.-Inf.-Regt. 120 auszuhalten, dem es zunächst, teilweise in heftigem Nah-kampf, gelang, die feindliche Infanterie abzuweisen und zwei Tanks durch M. G.-Feuer, einen dritten durch Minenwerfer zu vernichten. Die übrigen 5 Tanks fahren auf der Straße unbeirrt weiter, fortwährend nach beiden Seiten feuernd. Auf unserer Höhe ange-kommen, durchbrechen sie die Front zwischen der 1./413 und dem II. Batl. Res.-Inf.-Regts 120, schwenken nach links ein und beschießen die 120er von hinten, während gleichzeitig der Infanterieangriff von vorne wieder einsetzt. Die beiden Bataillone der 120er, durch die vorhergehenden Kämpfe schon total erschöpft, waren erledigt, nur Reste kamen zurück. Unsere 1. Komp. war durch diesen Einbruch des Gegners ebenfalls sehr stark mitgenommen und mußte nach rechts rückwärts ausbiegen. Die 3. Res.-Pi. 13 wird daher an den rechten Flügel geworfen, um zu retten, was zu retten ist, aber es war schon zu spät, der Gegner saß bereits in unserer Linie und begann eben, den Abschnitt der 1. Komp. aufzurollen, wobei ihr Führer, Leutnant d. R. Sauter, durch Lungenschuß schwer verwundet wurde. Durch das Eingreifen der Pionierkompagnie gelang es dann aber noch, den Gegner aufzuhalten, aber die Stellung war nicht mehr zu halten, denn die paar dezimierten Kompagnien des Regiments stehen nun noch ganz allein nördlich der Avre und westlich des Bahndamms. Um 9 Uhr vormittags wird daher der Befehl gege-ben, daß sich die Kompagnien staffelweise und allmählich auf die Artillerieschutz-stellung dicht westlich Roye zurückziehen sollen.
Nach zwei Stunden ist der Befehl durchgeführt und die neue Stellung besetzt; der Gegner folgt zunächst zögernd, kommt aber bis gegen 1 Uhr nachmittags an den Bahndamm heran und besetzt ihn. Bei dem Versuch, denselben zu überschreiten erleidet er durch unser M. G.-Feuer starke Verluste, worauf er sich zunächst mit dem Erreichten begnügt, dagegen aber von 4 Uhr nachmittags ab unsere neue Linie unter starkes Artilleriefeuer nimmt. Die Gefechtskraft des Regiments sowohl wie der ganzen Division war durch die zermürbenden Kämpfe der letzten 14 Tage in der glühenden Augustsonne als auch durch die schlechte Unterstützung durch die Artillerie in ihrem Gefechtswert stark beeinträchtigt, ganz abgesehen von den wahnsinnigen blutigen Verlusten, die derartige Rückzugskämpfe mit sich bringen. Nach über vier Jahren Krieg ist es für eine Truppe, die nur den Drang hatte, nach vorne durchzugehen oder aber mindestens den Ehrgeiz und den Stolz besaß, anvertraute Stellungen unter allen Umständen zu halten, ein unfaßbares Geschehen, zum Rückzug gezwungen zu werden.“

aus: „Das Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 413 im Weltkrieg 1916-1918“, Stuttgart 1936

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