Montag, 6. August 2018

6. August 1918



„Am 2. August begaben sich Vorkommandos der Bataillone auf Lastautos nach Bray, um dort die Übernahme des Abschnitts der 107. Division durch die Württemberger vorzubereiten. Am nächsten Tage folgten ihnen die Bataillone selbst nach und rückten in die Stellungen des Res.-Inf.-Reg. 232 nördlich der Somme ordnungsgemäß ein. Alles drängte zur Eile, denn schon am 6. August sollten die Kompagnien des Regiments zum Sturm auf die gegenüberliegenden feindlichen Stellungen antreten. Wie im Handum-drehen waren die Stunden des 5. August mit den  nötigsten Angriffsvorbereitungen ver-gangen, als sich am 6. August morgens nach mächtiger Feuervorbereitung die Sturm-reihen der 120er aus den Gräben erhoben und mit ihrem Regimentskommandeur, Major Scupin in der Mitte, auf den Feind stürzten. Nicht nur feindliche Geschosse aller Art, sondern auch schwere vom Wind gepeitschte Regenschauer schlugen den Truppen ent-gegen. Trotzdem brachen sie jeglichen feindlichen Widerstand, nahmen über 100 Eng-länder gefangen und drangen über das gesteckte Ziel hinaus vor. Gegen Mittag war der erste Teil der Arbeit geleistet, der Sturm war voll geglückt. Das am linken Flügel kämp-fende I. Bataillon hatte bedeutend schwerer zu fechten und zu leiden gehabt als das III. Bataillon. An ein Ruhen und Rasten der Truppen war jetzt nicht zu denken, denn es galt, den weitaus schwierigeren Teil des Auftrags, das Halten des eroberten Geländes, zu erfüllen. In Erwartung feindlicher Gegenstöße richteten die Kompagnien ihre Stellungen zur Verteidigung ein. Die heiße Augustsonne brannte erbarmungslos auf die schanzen-den Kampftruppen und die mit Munition, Maschinengewehren und Schanzzeug belade-nen, nach vorne eilenden Trägertrupps nieder. Der Abend brachte die ersten Versuche der Engländer zur Wiedergutmachung der erlittenen Schlappe. In einer schmalen Lücke zwischen dem I. und III. Bataillon, in der sich einige gewandte Engländer festgesetzt hatten, entwickelten sich Handgranatenkämpfe, welche von beiden Seiten sehr schnei-dig, aber ergebnislos die Nacht hindurch fortgeführt wurden.“

aus: „Das Infanterie-Regiment „Kaiser Wilhelm, König von Preußen“ (2. Württemb.) Nr. 120 im Weltkrieg 1914–1918ׅ, Stuttgart 1922

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