Freitag, 3. August 2018

3. August 1918



„Um starke Kräfte freizubekommen und der Truppe unnötige Verluste zu ersparen, hatte sich die Oberste Heeresleitung entschlossen, die westlich der Division stehenden Truppen auf das Nordufer der Vesle zurückzunehmen. Diese Maßnahme erhielt den Decknamen „Blücherbewegung“; sie begann am 1. August. Der Rückzug mußte auch auf dem rechten Flügel der Division fühlbar werden. Das Nachbarregiment (Inf.-Reg. 127) mußte seine Stellung ebenfalls zurückverlegen. Beim Regiment 475 machte sich erst am 3. August vormittags eine verstärkte feindliche Patrouillentätigkeit bemerkbar. Schon 4.30 Uhr vormittags hatte ein Posten der 12. Kompagnie mit einer vorfühlenden feindlichen Patrouille zu kämpfen; er vertrieb sie durch Feuer. Um 8 Uhr vormittags ging der Feind an La Neuvillette heran. Nach Handgranatenkampf zwang ihn der Posten der 2. Kompagnie zur Umkehr. 8.40 Uhr vormittags wurde der gleiche Posten von einer stärkeren Patrouille angegriffen; Musketier Lutz vertrieb sie durch Handgranaten. Ein Korporal des französischen Regiments 100 wurde von ihm schwer verwundet und gefangen.
Am Nachmittag des 3. August kam die Rückzugsbewegung immer deutlicher zum Ausdruck. Das feindliche Feuer hatte seit einigen Tagen sich sehr verstärkt und nach Norden zugenommen. Am Vormittag des 3. August hatte der Franzose St. Brice und Courcelles besetzt und war im Park von Schloß La Malle eingedrungen. Nun war auch beim Regiment der Angriff stärkerer Kräfte zu erwarten. 2.45 Uhr nachmittags setzte das Vorbereitungsfeuer starker Artilleriekräfte auf La Neuvillette und die Front des rechten (I.) Bataillons ein; 3.10 Uhr nachmittags griff der Feind an. Damit begann ein bis in die späte Nacht währender Kampf um La Neuvillette und die anschließende bisherige Hauptwiderstandslinie. Das Bataillon hielt sich, bis es dem Feind gelang, dem anschließend daran in seine neue Stellung zurückgehenden Inf.-Reg. 127 zu folgen. So saß der Gegner dem Bataillon im Rücken und es gelang ihm, in La Neuvillette einzu-dringen. Nun mußte die Hauptwiderstandslinie im rechten Bataillonsabschnitt an den Kanal zurückverlegt werden. Ein alsbald angesetzter Gegenstoß unter Führung des Vizefeldwebels Eitel gelang nicht; der Führer wurde verwundet. Auch eine Feldwache östlich La Neuvillette mußte vor starken französischen Angriffen zurückgenommen werden. 4 Uhr nachmittags wurde das II. Bataillon vorgezogen. Am Abend sollte im Einvernehmen mit dem Regiment 127 ein regelrechter Gegenangriff zur Wiederge-winnung des ganzen Vorfeldes geführt werden. Von 7 Uhr ab bereitete Artillerie den Angriff vor. 7.15 Uhr abends fand er statt und kam anfänglich gut vorwärts, namentlich auf dem rechten Flügel. Sodann aber prallte der Stoß auf den gleichzeitig angesetzten, mit weit überlegenen Kräften geführten Angriff der Franzosen. Es gelang ihnen, zwi-schen zwei Kompagnien durchzustoßen, so daß die 1. Kompagnie, die westlich La Neuvillette vorgegangen war, auf das Westufer des Kanals zurückgenommen werden mußte. Die in La Neuvillette kämpfende 2. Kompagnie wurde bis zur Mitte der Ortschaft zurückgedrängt. Weitere kleine Gegenstöße der 2. und 4. Kompagnie schei-terten an der Stärke des Feindes.“

aus: „Das Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 475 im Weltkrieg“, Stuttgart 1921

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