Montag, 27. August 2018

27. August 1918



„Die Ausführung des Befehls, im Verein mit den Resten der Inf.-Reg. 126 und 172 die alte Hauptwiderstandslinie des Reg. 126 wieder zu gewinnen, ging das III. Batl. 3.30 Morgens – 27. August – von der Abriegelungsstelle im Siegfried aus zum Angriff mit je 2 Kompagnien hintereinander im vorderen (12. und 9.) und hinteren (10. und 11.) Müh-lengraben vor. Die feindlichen Postierungen werden im Handgranatenkampf zurück-gedrängt, auch zäh verteidigte Widerstandsnester siegreich genommen, aber schließlich verdichtete sich der Widerstand des Gegners so, daß etwa 280 Meter westlich der Straße Héninel – Croisilles ein weiteres Vorkommen unmöglich war. Bis auf eine kleine Strecke war die Hauptwiderstandslinie des Reg. 126 wiedergewonnen und somit der Auftrag erfüllt, als 8 Uhr morgens der feindliche Angriff begann, eingeleitet durch ein heftiges Trommelfeuer. Das Bataillon empfängt die Engländer mit wirkungsvollem Infanterie- und Maschinengewehrfeuer, die schwere Verluste erleiden, aber immer wieder Verstärkungen erhalten, so daß mit der Zeit Flanke und Rücken der tapferen Verteidiger ernstlich bedroht sind. Jetzt heißt es Schritt für Schritt zurückgehen und sogar ernstlich mit der Munition haushalten, die allmählich knapp wird, namentlich bei den Maschinengewehren. Vortrefflich unterstützt werden die Kämpfe der Kompagnien durch das wirkungsvolle Feuer des Leutnants d. R. Schlegel mit seinem Zuge Minen-werfer, bis auch ihm schließlich die Munition ausgeht und er selbst von einem Infan-teriegeschoß getroffen, tödlich verwundet, zusammensinkt.“
„Der Stab des III. Batl. hatte sich beim Einsetzen des Trommelfeuers fertig gemacht und den Verlauf des englischen Angriffs vom Bataillonsgefechtsstand aus beobachtet, wobei der Bataillonsführer, Hauptmann d. R. Vogler, durch eine Schrapnellkugel am Unterleib und am rechten Daumen verwundet wurde. Immer näher kam der umfassende englische Angriff, so daß jetzt auch die Bataillonsordonnanzen und ein leichtes Maschinengewehr der 9. Komp. sich an der Abwehr beteiligen mußten. Auch der verwundete Hauptmann Vogler nahm ein Gewehr und schoß lebhaft auf die anrückenden Engländer. Von Schul-terwehr zu Schulterwehr langsam kämpfend zurückgehend, fügte das kleine Häuflein den Engländern noch schwere Verluste bei. Nun mußte der von Fontaine nach Westen führende Weg, der unter heftigem englischem Maschinengewehrfeuer lag, übersprungen werden; dies scheint aber dem Hauptmann Vogler nicht mehr gelungen zu sein, denn von hier ab ist über seinen Verbleib nichts mehr bekannt.
Südwestlich Fontaine im Senséegrunde stießen die Reste des tapferen III. Batl. auf die frischen Kompagnien des I. Bataillons, sowie auf den Zug des Vizefeldwebels Haas der 3. M. G. K. und dem vereinten Feuer dieser Teile gelang es, die über die Höhe vom Mühlenberg nach dem Senséegrunde herabsteigenden Engländer aufzuhalten und somit den feindlichen Angriff zum Stehen zu bringen. Unteroffizier Knapp der 11. Komp., der sich mit seinem leichten Maschinengewehr hervorragend geschlagen hatte, beteiligte sich auch hier, nachdem er sich mit Munition und Kühlflüssigkeit neu versorgen konnte, wieder lebhaft an der Verteidigung.
Leutnant Merker, der die stellvertretende Führung des Bataillons übernahm, sammelte auf Befehl des Regiments die Trägertrupps des Bataillons sowie alle Versprengten beim Regimentsgefechtsstand im alten Weg südlich Hendecourt.“

aus: „Das Württ. Infanterie-Regiment Nr. 180 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921

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