Montag, 1. Oktober 2018

1. Oktober 1918



„1. Oktober 1918. Die Nacht verlief ohne besondere Ereignisse. Um 5 Uhr morgens begann das feindliche Trommelfeuer auf den Abschnitt des Regiments und die nörd-lichen Anschlußtruppen. Bis 6 Uhr morgens dauerte es in unverminderter Stärke an, dann wurde es 6.10 zurückverlegt, worauf sofort starkes Maschinengewehrfeuer in Richtung Tilloy hörbar war. Doch bald verstummte dort das eigene Feuer, im Nordteil von Tilloy und weiter nördlich davon war der Feind im Vordringen, nur beim Erdwerk östlich des Dorfes fand er zähesten Widerstand. Diesen Punkt mit dem beherrschenden Wäldchen hatte der Führer des II. Bataillons, Hauptmann d. R. Mehl, zu einem Stütz-punkt ausgebaut durch Aufstellung zahlreicher Maschinengewehre und Vorziehen eines Zuges der Begleitbatterie 1./Reg. 43. Dieser Punkt wurde noch bis 7.30 vormittags gehalten. Die Maschinengewehre wirkten hervorragend und die beiden in vorderer Linie stehenden Geschütze benahmen sich vorbildlich, trotz der dauernden feindlichen An-griffe und des Maschinengewehrfeuers von 6 feindlichen Fliegern, die von 7 Uhr vor-mittags ab in einer Tiefe von 20 bezw. 30 Meter den Stützpunkt umkreisten und das feindliche Artilleriefeuer dorthin lenkten. Dazu kam, daß ein eigenes Blaukreuzlager an der Bahnlinie zusammengeschossen war und das vom Wind herübergetragene Gas zum Aufsetzen der Masken nötigte.
Die Geschütze hatten ihre Munition verbraucht und die Maschinengewehre sich zum größten Teil verschossen, ein anderer Teil war unbrauchbar geworden, als plötzlich von rechts rückwärts her feindliche Maschinengewehre den Stützpunkt unter Feuer nahmen und dessen Verteidiger zwangen, nach Norden Front zu nehmen. Unter diesen Umstän-den mußte der zäh verteidigte Platz geräumt werden, die Mannschaften erhielten Befehl, sich auf den Hohlweg westlich Ramillies zurückzuziehen, der vom Reg. 99 besetzt war. Die wenigsten der Zurückgehenden erreichten diesen, da das Gelände dorthin unter stärkstem Maschinengewehrfeuer von drei Seiten lag.
8.45 morgens überbrachte der Bataillonsführer des I. Batl. Oberleutnant d. R. Teuffel, mündliche Meldung über diesen Verlauf des Angriffs und die augenblickliche Lage.
9.15 vormittags verlegt der Regimentsstab seinen Gefechtsstand nach dem Bahndamm östlich Escaudoeuvres und entsendet einen Offizier zwecks mündlicher Meldung an die Brigade.
Bis zum Nachmittag finden sich beim Regimentsstab die Stäbe der 3 Bataillone ein, deren Truppenreste völlig versprengt sind: Darüber wird an die Brigade gemeldet und die Bitte gestellt, herausgezogen zu werden, um sammeln und die Reste zusammen-stellen zu können. 8 Uhr abends kommt dann der Befehl, nach Avesnes le Sec zu marschieren und dort zu sammeln.“

aus: „Das Württ. Infanterie-Regiment Nr. 180 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921

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