Sonntag, 7. Oktober 2018

7. Oktober 1918



„Mit einem erneuten Großangriff wurde gerechnet und das schon erwähnte verstärkte Störungsfeuer am Abend und während der Nacht konnte diese Vermutung nur bestä-tigen, allein der Angriff kam doch noch früher, als man gedacht hatte. Wenn auch die Loslösung der Infanterie aus der alten Stellung trotz der Nähe des Gegners von diesem völlig unbemerkt vor sich gegangen war, so geriet sie doch beim Rückmarsch in den Morgenstunden  in das bereits einsetzende heftige Feuer und erlitt, da jegliche Deckung fehlte und die Ausdehnung dieses Feuers kein seitliches Ausweichen zuließ, schwere Verluste: Landw.-Inf.-Regt. 122 namentlich in der Valerine-Schlucht, Landw.-Inf.-Regt. 120 auf der Nordsüdstraße, Landw.-Inf.-Regt. 125 auf dem Wege von der Mudrahöhe nach Schloßberg und Schöne Aussicht. Dies erschwerte natürlich das Einnehmen der neuen Stellung, eine Aufgabe, die bei Nacht und morgens bei Nebel und Regen im Walde ohnehin nicht leicht zu lösen war, da einen Anhalt dafür lediglich die Bezeich-nung auf der Karte bildete. Durch das Feuer waren auch die Verbände gelockert worden, die schon vorher durch die aushilfsweise Verwendung an bedrohten Stellen etwas durch-einandergekommen waren. In der neuen Stellung fand sich keinerlei Deckung vor und es ist verständlich, wie dann ein Feuer wirken mußte von einer Stärke, die für den Sturm auf eine ausgebaute Stellung berechnet sein konnte, und auf eine Truppe, die schon vor-her schwach, unterwegs noch stark durch Verluste gelichtet worden war; um so höher ist es einzuschätzen, daß diese mit ihren Resten überhaupt noch solchen kräftigen Wider-stand leistete.
Chatel war von zugeteilten Truppen besetzt. Landw.-Inf.-Regt. 125 hatte die schöne Aussicht (Höhe 180) und Schloßberg Chatel, Landw.-Inf. Regt 120 die Hohenbornhöhe und Landw.-Inf.-Regt. 122 die weitere in Richtung Valerine-Tal nach Westen verlaufen-de Strecke mit Anschluß an die Nachbardivision zu halten. Die Divisionsreserve befand sich hinter dem linken Flügel. Unsere schweren Batterien standen noch auf dem Humserberg, die 3./57 (10 cm) war noch dazu gekommen. Die Gruppe Simon stand mit ihren 5 Batterien bei Marcq und die Gruppe Rapp war zwischen 7 und 8 Uhr vormittags auf dem Nordufer feuerbereit; 8. und 9. Batterie bei der Mohin-Mühle östlich Champig-neulle, 5. Batterie im Körnergrund nordöstlich St. Juvin, Gruppengefechtsstand im Munitionslager bei Bahnhof St. Juvin. Der Regimentsgefechtsstand, der bisher auf der Hohenbornhöhe, erst mit der 54 Landwehr-Brigade zusammen, dann 500 m westlich davon gewesen war, wurde wieder mit der Infanterie-Brigade zusammen nach der Wumba-Schlucht verlegt.
Schon ab etwa 4 Uhr vormittags liegt starkes Feuer auf Chatel, Schöne Aussicht, Schloßberg, Hohenbornhöhe und den Mulden westlich Chatel, das sich gegen 6 Uhr vormittags noch steigert. 6.45 Uhr vormittags erfolgt ein Sturm auf Chatel, das den schwachen dort befindlichen Truppen schnell entrissen wird. Nebel macht jede Über-sicht unmöglich. Das Feuer auf die Höhen verstärkt sich gegen 8 Uhr und dann gelingt es dem Feind, die auch hier schwache Besatzung zurückzudrängen und die beiden Höhen Schloßberg und Schöne Aussicht zu nehmen. Ein Gegenstoß um 9 Uhr bringt wenigstens den Westrand, ein mit stärkeren Kräften nachmittags ausgeführter den gan-zen Schloßberg wieder in Besitz des Landw.-Inf.-Regts. 125. Auf die Hohenbornhöhe begann nach gleicher Artillerievorbereitung, die von 11 Uhr vormittags ab noch durch starkes M. G.-Feuer unterstützt wurde, der Angriff von Süden her. Es gelang dem Feind, trotz der schweren Verluste, die durch das Feuer eingetreten waren, nicht, die Höhe zu nehmen. 3 Uhr nachmittags begann das Feuer von neuem und, wenn es dem Feind auch glückte, an der Nordsüdstraße etwas vorzudringen, so blieb doch durch Einsetzen aller verfügbaren Kräfte des Regiments an dieser Stelle die Höhe in Besitz des Landw.-Inf.-Regts. 120. Dagegen versuchte der Feind nach Wegnahme des Schloßbergs und der Schönen Aussicht schon an der Straße nach Cornay in nördlicher Richtung, und in der Mulde westlich Cornay, dem früheren Schießplatz für Maschinengewehre, nach Westen vorzudringen. Dagegen wurde nun alles eingesetzt, was der Division und dem General-kommando an Reserven zur Verfügung stand: ein buntes Gemisch von Teilen der 1. Garde-Inf.-Div., der 53. Res.-Div., dem Regt. 240, der 45. Res.-Div. und den M. G.-Scharfschützen-Abteilungen 47 und 58. Ein Gegenangriff gegen die Schöne Aussicht, der nach kurzer Artillerievorbereitung von I./Landw.-Inf.-Regt. 120 und II./Landw.-Inf.-Regt. 125, unterstützt durch das auf Kraftwagen rasch herbeigeholte Res.-Inf.-Regt. 210, ausgeführt wurde, konnte diese nicht wieder in deutschen Besitz bringen.“


aus: „Das Württembergische Landw.-Feldartillerie-Regiment Nr. 2 im Weltkrieg 1914-1918“ׅ, Stuttgart 1927

Keine Kommentare:

Kommentar posten