Donnerstag, 4. Oktober 2018

4. Oktober 1918



„Der neue Angriff ließ nicht lange auf sich warten. Die Nacht vom 3./4. Oktober lag das ganze Hintergelände bis Verpel unter Feuer, Borrieswalde erhielt Steilfeuer, die Batterie- und Protzenstellungen wurden vergast, das Airetal gegen Morgen vernebelt. Aber schon der natürliche Nebel ließ anfangs keine rechte Klarheit aufkommen, was eigentlich zu erwarten sei, als 5.30 Uhr vormittags stärkstes Feuer einsetzte, das sich gegen 7 Uhr vormittags bis zum Trommelfeuer verstärkte. Es stellte sich heraus, daß die Hauptmasse dieses Feuers auf das östliche Aireufer trommelte, doch lag starkes Feuer auch auf Teilen unserer Front. Noch nach 9 Uhr vormittags war eine Beobachtung des östlichen Aireufers nicht möglich; es blieb deshalb nichts anderes übrig, als auf den vermuteten Nachschub des Gegners zu schieße trotz des Feuers das auf den Batterien lag und das ihnen schon mancherlei Verluste gebracht hatte und trotz der Vergasung. Bei Heller-werden zeigte es sich, daß es den Amerikanern nach ihrem Trommelfeuer und dank dem Nebel – dem wirklichen und künstlichen – gelungen war, die 52. Inf.-Div. zwischen Gesnes und Exermont einzudrücken und weiterhin bis Fléville vorzudringen.
Die 2. Landw.-Div. sollte dabei offenbar zunächst nur niedergehalten und ihre Entwik-klung durch Feuer, Gas und Vernebelung ausgeschaltet werden. Doch versuchte der Amerikaner im Anschluß an den Hauptangriff auch von Apremont über Mesnil-Ferme Boden zu gewinnen, hauptsächlich mit Unterstützung von Tanks, von denen sechs in der Zeit von 10.20 bis 11 Uhr bei Klein-Zwickau vorfuhren, aber von Zug Groß der 9., der 2., 3. und 6. Batterie beschossen und zum Zurückfahren auf Apremont gezwungen wurden; sie erschienen nach einer darauf folgenden Beschießung von Apremont, an der sich auch die Fernkampfgruppe beteiligte, nicht mehr. Aber auch auf dem rechten Flügel fand nachmittags ein Angriff in kleinerem Maße statt, der von Landw.-Inf.-Regt. 122 unter starken Feindverlusten abgewiesen wurde; morgens schon hatte die rechte Nach-bardivision um Unterstützung in Richtung Charlepeaux-Mühle gebeten gehabt.
Was in der Frühe infolge des Nebels nur in beschränktem Maße möglich war, die Unter-stützung der linken Nachbardivision, wurde nachmittags nachgeholt, als diese einen Gegenangriff machte, der den Feind wenigstens wieder über die Linie Schloß Chéhéry – Exermont zurückwarf, wozu unser lebhaftes Feuer in die Gottbergmulde entschieden beitrug.
Einzelne Batterien und Nahkampfgeschütze zeigten sich schon bei Apremont auf dem West- und in der Bielwiese auf dem Ostufer; sie wurden von der 5. und 3. Batterie bekämpft, die 3. beschoß 8 Geschütze, von denen 3 getroffen wurden, 2 vorfahrende Munitionswagen wurden zerstört, die Bespannungen teilweise zersprengt, teilweise ver-nichtet. Die 4. Batterie, die tags zuvor in der Stellung der 7. Batterie eingesetzt worden war, machte vormittags zu besserer Wirkung einen Stellungswechsel etwa 1 km nach Westen unmittelbar nördlich der Straße Châtel – Lançon.
In der Nacht wurde das Feuer auf die verschiedenen Mulden, die rechts und links in das Airetal ausliefen und in denen Ansammlungen und Arbeiten für den weiteren Angriff anzunehmen waren, gerichtet. In Erwartung neuer Vorstöße auf dem rechten Ufer ver-langte die Division, daß sämtliche Batterien dorthin wirken könnten.“


aus: „Das Württembergische Landw.-Feldartillerie-Regiment Nr. 2 im Weltkrieg 1914-1918“ׅ, Stuttgart 1927

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