Donnerstag, 18. Oktober 2018

18. Oktober 1918



„Am 17. Oktober noch in der Morgendämmerung raste ein bisher an dieser Front noch nicht gehörtes Trommelfeuer auf die vordere Linie nieder und es gelang den Englän-dern, die Hauptwiderstandslinie zu nehmen. Das Regiment war schon längst alarmbe-reit, bis es kurz vor 11 Uhr vormittags Befehl erhielt, an den Südausgang Bazuel zu rücken, um sich dort gegen Südwesten zum Gegenangriff zur Wiedergewinnung der Hauptwiderstandslinie bereitzustellen. Die Bereitstellung, III, rechts, II. links, I. Regi-mentsreserve hinter der Mitte, war gegen 5 Uhr abends beendet und alles bereit, den Angriff gegen Arbre de Guise, 1 km östlich St. Souplet vorzutragen.
Das Füs.-Regt. 122 hatte aber in der Zwischenzeit im Anschluß an das zur 204. Inf.-Division gehörende Res.-Inf.-Regt. 120 wenn auch nicht die frühere Hauptwiderstands-linie, so doch wieder die Linie Le Quennelet-Ferme – Arbre de Guise mit eigenen Kräften im Gegenstoß genommen, so daß der befohlene Angriff unterblieb. Das Regi-ment verblieb nun zunächst in dem Bereitstellungsraum, bis kurz nach 1 Uhr nachts am 18. Oktober der Befehl eintraf, daß das Regiment das Füs.-Regt. 122 in vorderer Linie abzulösen habe. III. Batl. rechts, II. Batl. links kamen in vordere Linie beiderseits Le Quennelet-Ferme, Man sah nicht die Hand vor den Augen, als die Bataillone im unbe-kannten Gelände nach vorne zogen. Die Ablösung zog sich lange hin, da durch den Angriff des Vortages die Stellung sehr unübersichtlich verlief. Eben, es war kurz nach 6 Uhr vormittags und es lagerte dichter Bodennebel auf dem durch Hecken durchschnit-tenen Gelände, hatten die Kampftruppenkommandeure, Hauptmann d. R. Bühler (III.) und Hauptmann Rösler (II.) die Meldungen ihrer Kompagnieführer über Übernahme der Stellung und lückenlosen Anschluß erhalten und man dachte daran, die versäumte Nachtruhe in den feuchten Löchern etwas nachzuholen, als schlagartig an der feindli-chen Front tausende von Geschützen aufbrüllten und aus ihren rauchenden Mäulern Unmengen Eisen und Gas auf unsere Stellung spien. Vorbei war es mit Schlaf und Ruhe, man lag bereit, der englischen Infanterie den gebührenden Empfang zu bereiten. Fast eine Stunde wütete der Feuerorkan, dann, als er glaubte, bei uns alles zermalmt zu haben, schickte der Engländer seine Infanterie hinter einem dichten Feuervorhang, der Feuerwalze, zum Sturme vor.as III. Batl. rechts, das mit der 10. und 11. Komp. in vorde-rer Linie lag und Anschluß an Inf.-Regt. 479 hatte, wehrte den Angriff des Gegners in der Front ab, und der Gegner ging unter heftigem M.-G.-Feuer aus der Quennelett-Ferme wieder zurück. Da tauchten plötzlich in der rechten Flanke und im Rücken der in Reserve unmittelbar westlich der Roue-Ferme liegenden 9. Komp. dichte Haufen Eng-länder auf, die anscheinend beim Regiment 479 durchgebrochen waren. Nach kurzem Kampf war die Kompagnie von der Übermacht überwältigt. Nur der durch Brustschuß verwundete Kompagnieführer Leutnant d. R. Fischer (Th.) entging mit knapper Not der Gefangennahme. Die 10. Komp. auf dem rechten Flügel des Regiments wurde von rechts aufgerollt und konnte, da der Gegner schon hinter ihr, nicht mehr nach rückwärts ausweichen. Am längsten hielt sich die 11. Komp. unter der tapferen Führung des Leut-nants d. R. Reindel. Die Quennelett-Ferme war von allen Seiten vom Tommy einge-schlossen, und wieder und wieder versuchten es feindliche Stoßtrupps, gegen das zu-sammengeschossene Gehöft vorzugehen. Aber sobald sich ein flacher englischer Stahl-helm vorwagte, ratterten auch schon die leichten Maschinengewehre der 11. Komp. los. Bis 10 Uhr vormittags hat das kleine Häuflein auf verlorenem Posten ausgehalten, bis es den herangezogenen feindlichen Verstärkungen gelang, die Tapferen zu überwältigen. Beim II. Batl. war im Anschluß an das III. Batl. die Hauptwiderstandslinie durch die 7. Komp. tief gestaffelt besetzt; daran anschließend lag die 6. Komp. mit Anschluß an das Inf.-Regt. 413. Dem Engländer gelang es, die Hauptwiderstandslinie zu überrennen, doch konnten sich die beiden Kompagnien rechtzeitig auf die Reservekompagnie (5.), die im Hohlweg südöstlich Roueferme mit dem Bataillonsstab lag, zurückziehen. Ihre beiden tapferen Führer mußten sie leider am Feind zurücklassen, Leutnant d. R. Bareiter war dem Trommelfeuer zum Opfer gefallen, während Leutnant d. R. Essig mit durch-schossenem Bein in englische Gefangenschaft geraten ist.
Der Engländer tauchte in dicken Massen plötzlich zwischen den Hecken vor dem Hohlweg auf und wurde von einem verheerenden M.-G.- und Infanteriefeuer empfan-gen. Das II. Batl. des Füs.-Regt. 122, geführt von Leutnant d. R. Schoder, das als Ein-greifreserve hinter dem Regiment lag, kam dem Bataillon zu Hilfe und riegelte gegen die Roue-Ferme ab, von der Aufrollung und Flankierung gedroht hatte. Die Stellung war fest in Der Hand des Regiments, doch konnte sie, da auch bei der linken 204. Inf.-Division die Stellung durchbrochen war, nicht auf die Dauer gehalten werden. Erst 6 Uhr abends räumte das Regiment den beiderseits weit vom Feind überflügelten Hohl-weg auf Befehl der Brigade ohne vom Gegner belästigt zu werden. Das I. Bataillon unter Hauptmann d. R. Maisch stand als Regimentsreserve am Südwestrand von Bazuel und war gegen 10 Uhr vormittags im Vorgehen über Höhe 150 gegen Roue-Ferme, wurde aber von der Brigade aufgehalten und nach Bazuel zurückgenommen, da von Nordwesten her starker Gegner gemeldet war.
Das Regiment ging zunächst auf die Höhen östlich Bazuel zurück und stellte sich dort im Anschluß an Füs.-Regt. 122 rechts zum Gegenstoß gegen einen eventuell über die Straße Bazuel – Catillon vorbrechenden Gegner bereit. Jedoch folgte der Gegner nicht und so wurde die Front der Division wieder vorgeschoben in die Linie Le Planty Ferme – Gymbremont-Ferme – Zuckerfabrik Catillon. Noch spät am Abend stellten unsere Patrouillen fest, daß Bazuel vom Gegner noch nicht besetzt war. Auf der ganzen Front der Division fühlte der Engländer nur sehr zögernd nach.“

aus: „Das Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 478 und seine Stammtruppen Brigade-Ersatz-Bataillone Nr. 51, 52, 53 und Ersatz-Infanterie-Regiment Nr. 51“, Stuttgart 1924

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