Montag, 8. Oktober 2018

8. Oktober 1918



„Gegen 6 Uhr abends rattern ganze Züge von Lastautos über das holperige französische Pflaster in die Ortsunterkünfte und ein Bataillon nach dem andern wird verladen. Das III. Bataillon wird direkt nach Serain befördert, während das I. und das II. in Maretz bereits unter starkem feindlichem Schrapnellfeuer ausgeladen werden und Serain durch Fußmarsch erreichen und –.inzwischen ist es Mitternacht geworden – hier die Stellung an der Straße Serain – Prémont besetzen. Wie weit die vordere Linie noch entfernt ist oder wo der Gegner ist, konnten wir nicht feststellen, denn eine Orientierung über die Lage war nicht erfolgt und Erkundungen durch Patrouillen waren erst eingeleitet. Nach Rückkehr derselben gegen 2 Uhr morgens des 8. Oktober wird der Befehl zum Vorgehen erteilt. Eilig sammeln sich die Kompagnien unter strömendem Regen und über freies Gelände geht der Marsch in südwestlicher Richtung. Allmählich wird es hell und feind-liche Flieger erscheinen in Massen. Bald hängen die ersten Schrapnellwolken über uns und nach diesem Einschießen folgen die Granaten. Wir nähern uns einer Ortschaft und stellen fest, daß es Bonrevoir-Ponchaux ist. Wir kommen auf eine schmale, schlechte Straße, die durch einen Hohlweg in den Ort führt. Am Straßenrand sind in den Hang schöne und gut erhaltene Stollen eingebaut, wo zunächst die ersten 3 Kompagnien des I. Batl. verbleiben, während die 4. Kompagnie gegen den Ort zu weitermarschiert.“
„Das III. Batl., das in Autos nach Serain befördert worden war, erhielt schon auf dem Wege dorthin, besonders aber im Ort selbst, stärkstes feindliches Artilleriefeuer, ein Ordnen der Verbände war nicht mehr möglich, die Kompagnien versuchten in aller Eile den Ortsrand zu besetzen, kamen aber dort gleichzeitig mit dem Engländer an, der alle Hilfsmittel der modernen Kriegsführung bei seinem Angriff anwandte. Infanterieflieger und Tanks in Mengen, wie selbst wir alten Westfrontler sie nicht gewöhnt waren, unter-stützten die in Massen vorgehende feindliche Infanterie und die mit einem Überfluß an Munition versehene feindliche Artillerie. So kam es, daß das Bataillon umgangen und von vorne und hinten mit Tanks befeuert, trotz heftigster Gegenwehr großenteils ver-wundet in englische Gefangenschaft kam.“
„Die beiden andern Bataillone zogen sich nach der Aufreibung des III. Batls. kämpfend auf die Bahnlinie Bertry – Bohain zurück und besetzten dieselbe westlich Bussigny. Die Kämpfe des 8. Oktober hatten das Regiment derart geschwächt, daß einzelne Kompag-nien nur noch aus 8 – 12 Mann bestanden. Allerdings stellte sich später heraus, daß viele Leute während der nächtlichen Kämpfe und während des Zurückgehens im feind-lichen Feuer zu anderen Truppenteilen gestoßen waren und mit diesen die Kämpfe mitgemacht hatten.“

aus: „Das Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 413 im Weltkrieg 1916-1918“, Stuttgart 1936

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