Mittwoch, 24. Oktober 2018

24. Oktober 1918



„Die Nacht verlief sehr unruhig. Das feindliche Feuer verstärkte sich gegen Morgen immer mehr; der erwartete Angriff kam jedoch nicht. Ein großer Übelstand war es, daß infolge der großen Inanspruchnahme der eigenen Geschütze, der verschiedenartigen Munition und aus anderen Gründen die Zahl der Kurzschüsse sich sehr steigerte. Die trotz der großen Märsche und Kämpfe im dauernden Regen in guter Stimmung befind-liche Truppe litt aufs äußerste darunter. Mit allen Mitteln wurde Abhilfe erstrebt. Die Befehlsverhältnisse beim Regiment hatten sich durch die Unterstellung zweier fremder Truppenteile sehr schwierig gestaltet. So bestimmte die Brigade den Austausch des II./24 mit dem I./475. Letzteres Bataillon zählte aber nach den Kämpfen vom 21. Okto-ber um die Sybillenhöhe nur noch 26 Mann. Das Regiment sah sich daher genötigt, diese in eine Kompagnie zusammenzunehmen und mit der 7. und 9. Kompagnie in vorderste Linie einzusetzen, die durch die Wegnahme des II./24 erheblich geschwächt war.
Das feindliche Feuer hatte bei Tagesanbruch nachgelassen; von 3.30 Uhr nachmittags an setzte es erneut ein. Die Verwendung von Minen und schweren Geschossen ließ den Schluß auf baldigen Angriff zu. Dieser kam 4.40 Uhr nachmittags. Vor dem Abschnitt des II. Bataillons kam der Franzose kaum aus seinen Gräben; Infanterie und Maschi-nengewehre zwangen ihn sofort nieder. Beim III. Bataillon kam der Feind an die eigene Stellung heran; auch dieses schickte ihn unter blutigen Verlusten heim. Durch unglückli-che Umstände war es nicht gelungen, das Sperrfeuer der eigenen Artillerie auszulösen. So trug die Infanterie allein, trefflich unterstützt von ihrer Minenwerferkompagnie, die Last des Kampfes.“

aus: „Das Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 475 im Weltkrieg“, Stuttgart 1921

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