Donnerstag, 18. Dezember 2014

18. Dezember 1914


„Am Abend des 17. wurde von der Division befohlen, daß in der Nacht die Infanterie durch die Pionier-Kompanie 13 überzusetzen und gleichzeitig eine Pontonbrücke bei Kozlow Szlachecki zu bauen sei. Das III./122 wurde als erstes zur Sicherung des Übersetzens und des Brückenschlags in Pontons auf das jenseitige Ufer gefahren. Hier stellte sich das Bataillon im Halbkeis um die Brückenstelle auf. Eine feidliche Patrouille, die von Norden her durch Feuer das Übersetzen stören wollte, wurde verjagt.

Im Anschluß an das III. Bataillon ging gegen 1 Uhr nachts das II. über den Fluß. Dieses Bataillon rückte rechts vom III. Bataillon in die Gegend nördlich Tyzinogi vor. Die Russen schienen bis zur Bahnlinie bei  Kenszyce zurückgewichen zu sein. Das I. Bataillon blieb vorerst noch als Regimentsreserve auf dem westlichen Ufer. Weiter links hatte Alt-Württemberg die Bzura überschritten.

Es hatte am frühen Morgen des 18. Dezember 1914 ganz den Anschein, als ob sich die russische Front tatsächlich im Rückzug befinde und man es immer wieder nur mit schwachen Nachhuten zu tun habe, wenn sich irgendwo ein Widerstand bemerkbar machte. Das Übersetzen der ganzen Brigade war ohne ernstliche Störung durch den Feind durchgeführt worden. Die vorfühlenden Patrouillen stellten zunächst nur russische Postierungen an der Bahn fest, die 1800 Meter östlich der Bzura von Norden nach Süden führte.

Durch das Übersetzen war leider wieder ein Vermischen der Verbände eingetreten. Unmittelbar links vom II./122 lag am Morgen des 18. Dezember das III./121 unter Oberleutnant Aigner. Das III./122 hatte in den frühen Morgenstunden den Auftrag erhalten, die nordöstlich von Kozlow Szlachecki liegenden Waldstücke zu durchsuchen und vom Feind zu säubern. Das Bataillon mußte dadurch weiter nach Norden rücken und wurde deshalb nachmittags dem Infanterie-Regiment 121 unterstellt, während dafür das links vom Bataillon Niebur liegende III./121 unter das Kommando des Oberst von Triebig trat. Der ganze Brigade-Abschnitt teilte sich so wieder einmal in einen nördlichen „Abschnitt von Gais“ und einen südlichen „Abschnitt von  Triebig“

In den späten Vormittagsstunden verdichtete sich der feindliche Widerstand am Bahndamm merklich. Es war jetzt deutlich zu erkennen, daß der Gegner von Osten her Reserven erhalten hatte. Um 1.15 Uhr nachmittags befahl die 52. Infanterie-Brigade den Angriff gegen die russische Stellung. Trotz der geringen eigenen Artilleriewirkung stürmten die Bataillone über den Bahndamm hinaus und machten viele hundert Gefangene. Allein derr Russe verfügte über sehr große Reserven und setzte gegenüber dem Abschnitt v. Gais (besonders vor der Front des III./122) und auch gegen das III./121 zu einem mit großen Massen geführten Gegenangriff ein, der ihm wieder den Besitz der Bahnlinie brachte. Die Bataillone hielten sich jedoch einige hundert Meter westlich der Bahn und gruben sich an den Waldrändern ein. Das II./122 auf dem rechten Flügel des Abschnitts von Triebig lag starkem Feind in Kenszyce gegenüber, war aber nicht angegriffen worden. Das I. Bataillon war seit dem frühen Morgen nach Tyzinogi als Reserve vorgezogen.

Diese am Nachmittag entstandenen Stellungen wurden bis zum 19. Dezember morgens gehalten. Da kam ein zweiter Russensturm von Nordosten her.“



aus: „Das Füsilier-Regiment Kaiser Franz Joseph von Österreich, König von Ungarn (4. württ.) Nr. 122 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921

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