Freitag, 5. Dezember 2014

5. Dezember 1914


„Auf Grund des am 4. Dezember um 6 Uhr abends eingetroffenen Divisionsbefehls war Ilow ohne Rücksicht auf Verluste sofort in Besitz zu nehmen. Laut Besprechung der beiden Bataillonsführer (v. Groll und Henning) gingen um 11.15 Uhr abends die 7. und 8./119 als Feuerstaffel gegen den Wald, das I./125 und III./119 gleichzeitig gegen Ilow vor.

Sobald die Kompagnien zum Angriff ansetzen, erhalten sie sofort sehr heftiges Feuer aus der Front und von flankierenden Maschinengewehren aus dem Waldrand; der Angriff kommt zum Stehen. Hauptmann Freiherr Speth von Schülzburg wird schon zu Beginn des Vorgehens durch 2 Gewehrschüsse schwer verwundet. 1.30 Uhr vormittags wird auch die seitherige Reservekompagnie, 10./119, in den Kampf geworfen. Ihr Führer, der unerschrockene Rittmeister Walter Freiherr von Wöllwarth-Lauterburg, fällt durch Kopfschuß. Langsam wird Gelände gewonnen; der Feind verteidigt sich sehr hartnäckig. Je ein  Halbzug der 11. und 12./119 unter Offizierstellvertreter Kayser (11.) stoßen mit einem Zug der 3./125 unter Leutnant Aufrecht durch Ilow durch, wobei ihnen 2 M.-G., 2 Munitionswagen und eine Feldküche in die Hände fallen. Die schwachen Kräfte verlieren aber die Verbindung nach rückwärts, da aus dem Wald kommende feindliche Infanterie die Stellungen vor Ilow wieder besetzt. Beim Bajonettangriff auf eine von Osten nach Ilow anrückende russische Kolonne kommt Offizierstellvertreter Benzinger, Führer der 12. Kompagnie, verwundet von seinem Halbzug ab und bleibt vermißt. Beim Vordringen am Ortsrand verbliebene Mannschaften, insbesondere der 12. Kompagnie, fielen meist in erbittertem Handgemenge oder gerieten in russische Gefangenschaft. Offizierstellvertreter Kayser bringt ungefähr 20 Mann und Meldung über den Kampf zum Bataillon zurück. Der tapfere Leutnant Körper (11.) war durch Herzschuß gefallen.

Mit den schwachen Kräften war ohne genügende Artillerieunterstützung ein weiterer Angriff unausführbar. Das Verhalten unserer Leute war nach Aussage eines Mitkämpfers über jedes Lob erhaben, mit großem Schneid folgten sie ihren Offizieren, ungeachtet der bald eintretenden starken Verluste.

das III. Bataillon hatte schwere Verluste und bedeutend an Gefechtskraft verloren; sämtliche Kompagnieführer und etwa 380 Mann, unter ihnen auch Fahnenjunker-Unteroffizier Maag, waren geblieben. Hauptmann Frhr. v. Speth, der als verwundet nicht gleich gefunden war, wurde von Patrouillen der 9. Kompagnie gesucht. Diese braven Grenadiere, die ihren Führer nicht verloren geben wollten, kamen entweder ohne Ergebnis oder gar nicht zurück. Schweren Herzens mußte die Kompagnie ihren tapferen, beliebten Führer seinem Schicksal überlassen, was in diesem verbitterter Riesenkampfe nicht immer zu vermeiden war.

Ein Glück war es, daß der Gegner nicht beweglicher und unternehmender war, ein Gegenangriff der an Zahl viel stärkeren Russen hätte bedenkliche Folgen gehabt, da dem Regiment keine Reserve mehr zur Verfügung stand.

Der Angriff des I./119 im Verein mit Inf.-Regt. 125 auf Zaluskow kam trotz Aufbietung aller Kräfte in starkem feindlichem Flankenfeuer bald zum Stehen. Die Bataillone gruben sich in den erreichten Stellungen ein. Ein am 5. Dezember nachmittags auf höheren Befehl erneut unternommener Angriff der stark ermüdeten und geschwächten Truppe blieb ohne Erfolg. Der Gegner verhielt sich im allgemeinen ruhig, so daß wir unsere Stellungen verstärken konnten.“

 
 
aus: „Das Grenadier-Regiment Königin Olga (1. Württ.) Nr. 119 im Weltkrieg 1914-1918“, Stuttgart 1927

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