Montag, 22. Dezember 2014

22. Dezember 1914


„Tödliche Verwundung des Oberarztes Dr. Locher

Bei der 5. Batterie waren Verluste eingetreten. Eben war Dr. Locher von den Feuerstellungen zurückgekommen. Keinen Augenblick besann er sich, den gefährlichen Weg noch einmal zu machen. Im Straßengraben pirschte er sich vor. Das ganze Gelände lag unter Strichfeuer. Der Mond beschien hell die beschneite Gegend und ließ jede Bewegung weithin erkennen. Da die Verwundeten in der Batterie keinerlei Deckung fanden, wurde beschlossen, sie zurückzuschaffen. Doch der Russe erkannte die kleine Abteilung sofort und eröffnete das Feuer auf sie. Einem der ersten Schüsse fiel Dr. Locher zum Opfer. Oberstabsarzt Dr. Mann ließ den halbseitig Gelähmten auf den Verbandplatz bringen. Dort hieß es Abschied nehmen von dem lieben Menschen und im ganzen Regiment hochgeschätzten Arzt. Eine Woche später erlag er im Feldlazarett seiner schweren Verwundung.“

aus: „Das 2. württ. Feldartillerie-Reg. Nr. 29 „Prinzregent Luitpold von Bayern“ im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921

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