Donnerstag, 25. Dezember 2014

25. Dezember 1914


„Am Morgen des 25. waren auf der ganzen Linie beim Gegner lebhaftere Bewegungen bemerkbar, insbesondere suchten seine Patrouillen überall nahe an unsere vordersten Linien heranzüfühlen. Auf dem linken Flügel beobachtete man 6 Kompagnien auf dem Marsch von Rodern nach Oberaspach. Um 12 Uhr mittags an diesem windigen und kalten Weihnachtsfest, gingen starke feindliche Schützenlinien vom Westausgang von Oberaspach auf den Bahnhof Aspach und die Bahnlinie vor. Auch am Bahnwarthaus im Michelbacher Wald zeigten sich starke Abteilungen. Alle diese Schützenlinien nähern sich in sehr weiten Abständen dem Bahndamm. Die Stärke schätzt man auf ungefähr 10–12 Kompagnien. Es hat zuerst den Anschein, als wolle der Gegner gegen das Ochsenfeld vorstoßen. Eine Offizierspatrouille der 1. Kompagnie, die dort liegt, wird zur Aufklärung gegen den Bahndamm vorgetrieben. Sie stellt die Angriffsmaßnahmen des Gegners fest, ihr Führer, Leutnant Weitbrecht, wird dabei schwer verwundet.

Um ¾1 Uhr setzt nun schlagartig die französische Artillerie mit allen Kalibern auf der ganzen Linie ein. Niederaspach brennt bald an 3 Stellen, in der Idiotenanstalt steht die Turnhalle in Flammen. Die 9. und 10. Kompagnie wird nach Niederaspach vorgezogen und erreicht den Ort glücklich, trotz des lebhaften Infanterie- und Schrapnellfeuers, das auf sie niederfegt, als sie deckungslos über die Wiesen zwischen Schweighausen und Niederaspach in dünnen Schützenlinien hinweggehen muß. So steht um 1 Uhr mittags das ganze Regiment in vorderster Linie kampfbereit.

Verfolgen wir zuerst die Kämpfe auf dem nördlichen Teil, im Raum von Uffholz–Sennheim. Hier liegt das Artilleriefeuer am stärksten auf Steinbach, wo die 8. Kompagnie eingesetzt ist und auf den Höhen zwischen Steinbach und Uffolz, wo die 5. Kompagnie steht. Diese hatte noch am Morgen unter Anleitung einer kleinen Pionierabteilung mit Unterstützung einer Arbeiterkompagnie die Stellung ausgebaut und verstärkt. Da geht der Gegner um ½3 Uhr mit seiner Infanterie zum Angriff über. Breite Schützenlinien laufen gegen Steinbach und die Höhen vor Uffholz an. Ihre Artillerie hämmert auf die deutschen Linien. Bis auf 500 Meter kommen sie auf den Höhen heran und graben sich unter dem Schutze ihrer ratternden Maschinengewehre ein. Die 3. Kompagnie hatte die Linien der 5. verstärkt und nach rechts verlängert. Über die Weinberge von Sennheim war sie im heftigsten Granat- und Schrapnellfeuer zur Unterstützung der schwer bedrängten 5. Kompagnie herangekommen. Zwischen beiden wurden noch 1½ Züge der 3. Kompagnie des zur Verstärkung herangezogenen Landsturmbataillons Mannheim eingesetzt. So gelang es dem weiteren Vordrängen der Franzosen hier einen Riegel vorzuschieben, der Gegner erlitt in unserem Infanteriefeuer erhebliche Verluste, sein Angriff stockte.

Auch vor Steinbach ging es ihm nicht anders. Aus der Richtung Schletzenburg und Hirnlesstein ging er hier mit mehreren Zügen in losen Schützenlinien vor. Die 8. Kompagnie nimmt ihn unter Feuer, in dem sein Angriff zusammenbricht.

Auf der Höhe 425 versuchen feindliche Schützenlinien in Stärke eines Bataillons am Nordabhang der Höhe gegen die Stellungen der 6. vorzugehen. Der Franzmann glaubt mit seiner Artillerie die Deutschen erledigt zu haben. Da schlägt ihm wider Erwarten kräftiges Feuer entgegen, aus der Flanke schießen Teile der 8. in sie hinein und mit großen Verlusten fluten die Franzosen in die Wälder zurück.

Die Stellungen am Südhang der Höhe 425 und im Thur-Tal griff der Gegner an diesem Tage mit Infanterie nicht an, während er dafür sein Artilleriefeuer äußerst heftig auf diesen Teil niedergehen ließ. Die dort liegende 4. Kompagnie zog ihre 3 Züge nach dem vordersten Gebäude vor. „Kleine Gebirgsgeschütze, Feldgeschütze und schwere Batterien wetteifern“, heißt es in einem Feldpostbrief, „miteinander, die Häuser unserer Fabrik zu einem Schutthaufen zusammenzuschießen und unsere Schützengräben, die wir den ganzen Tag besetzt hielten, einzuebnen. Wir haben den Verlust manches braven Landwehrmannes zu verzeichnen. Unsere wiederholt während des Gefechts instandgesetzte Telephonleitung war inzwischen wieder abgeschossen, so daß jede rückwärtige Verbindung ausgeschlossen war, umso mehr, als eine Überbringung von Meldungen durch Gefechtsordonnanzen wegen des tollen Schrapnellhagels fast unmöglich geworden war. Als gegen Abend die Franzosen auf 425 vorgehen, kann unser rechter Flügel sie aus der Flanke unter Feuer nehmen. Zugleich wurde das Schwächerwerden des feindlichen Artilleriefeuers von uns dazu benützt, unsere Toten und Verwundeten aus den Gräben herauszutragen und zurückzuschaffen. Ein Zug hielt über Nacht unsere Gräben besetzt, während die beiden anderen in den zusammengeschossenen Gebäuden ein notdürftiges, wenn auch feuchtes Nachtlager fanden. Die Räume stehen teilweise unter Wasser. Auf Kisten und Brettern hocken die Leute herum, das Gewehr schußbereit im Arm. Die Verpflegung erfolgte in der Hauptsache aus den Weihnachtspaketen. Spät in der Nacht gelingt es den braven Feldküchen, sich bis zu den Baudryfabriken vorzuarbeiten und ihr warmes Essen an die Mannschaft zu verteilen.“ Mit Einbruch der Nacht wird die 7. Kompagnie, die den Tag über in den Schützengräben um Sennheim in ebenso heftigem Artilleriefeuer lag, herausgezogen und zum Schutze der rechten Flanke des Regiments nach Uffholz herübergeworfen. Sie besetzte sämtliche Ausgänge diese Ortes und stellte die Verbindung mit der Höhe gegen Steinbach durch Patrouillen her. Um Mitternacht wurde sie durch eine Kompagnie des Inf.-Reg. 25 verstärkt, die die seither vorhandene Lücke zwischen diesen beiden Regimentern schloß.

Gegen 7 Uhr abends versuchte der Gegner noch einmal seine Infanterie auf der Höhe von Uffholz und Steinbach vorzutreiben und dort Schützengräben auszuheben. Er wurde aber durch das lebhafte Feuer der 3. und 5. Kompagnie wieder zurückgetrieben. Bei diesem Kampf wurde der kleine Scheinwerfer, der so viel treue Dienste getan, von den Franzosen zerschossen.

Während der Nacht feuerte die feindliche Artillerie ununterbrochen auf Sennheim, Uffholz und Umgebung, insbesondere auf die Zufahrtsstraßen. Wiederholt versuchten feindliche Patrouillen vorzufühlen, namentlich auf 425, aber jedesmal ohne Erfolg. In der Nacht kam noch die 3. und 4. Kompagnie des Landw.-Inf.-Reg. 40 zur Unterstützung und wurde auf 425 und in Steinbach eingeschoben. Außerdem kam in der Nacht das Inf.Reg. 25 in Wattweiler an, um den Gegner am nächsten Tage aus seinen neu eingenommenen Stellungen östlich der Herrenfluh am Waldrand gegen Steinbach und Wattweiler zu vertreiben. Das I. und II. Bataillon trat noch in derselben Nacht unter den Befehl von Oberst v. Strantz und sollte den Angriff des Regiments 25 in der Front unterstützen.“

 
aus: „Das Württembergische Landwehr-Inf.-Regiment Nr. 119 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1923
 
 

Ausschnitt aus „Karte des Deutschen Reiches 1:100 000 West“, Blatt 642 Gebweiler
 

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