Dienstag, 11. Oktober 2016

11. Oktober 1916


„Nachts gegen 2 Uhr erhielten wir Befehl zum Stellungswechsel in die Reservestellung. Wir packten unsere Habseligkeiten zusammen und erwarteten die Ankunft der Protzen. Um 2 Uhr nachts kamen diese endlich; wir zogen unsere Geschütze im heftigsten Feuer feindlicher Gasgranaten heraus und nun ging es rückwärts. Alles ging ganz ordentlich bis zum Übergang über die Bahnlinie, welche von Peronne nach Chaulnes führt und die ständig unter schwerem feindlichen Artilleriefeuer lag. Wir waren mit dem ersten Geschütz an der Spitze, etwa 20 Meter vor dem Bahndamm, da schlug eine Granate in nächster Nähe von unserem Geschütz ein und verletzte das Stangensattelpferd. Wir setzten trotzdem unsern Marsch fort, da das verwundete Tier noch ganz gut im Gespann lief. Fünf Meter vor dem Damm kommandierte unser Geschützführer: „Trab“, als wir ich erreicht hatten und gerade über das Gleis fahren wollten, stürzte das Stangen-sattelpferd. Nun hieß es schnell handeln, denn alle 5 – 10 Minuten kam ein Schuß. Wir halfen alle zusammen, um das Pferd hochzuheben und es gelang uns auch; aber in demselben Augenblick schlug eine schwere Granate direkt neben uns ein. Ich warf mich auf den Boden nieder und blieb glücklicherweise unversehrt, auch der Vorderreiter war gut davongekommen. Doch neben uns stöhnten Verwundete, Sogleich suchten wir sie mit Hilfe einer Taschenlampe, denn es war stockfinstere Nacht. Wir fanden den Ge-schützführer und den Stangenreiter schwer verwundet und legten ihnen gleich Notver-bände an, einen Unteroffizier, der die Führung gehabt hatte, sowie den Mittelreiter und einen Kanonier tot. Ein Kanonier war leicht verwundet und begab sich gleich auf den nächsten Verbandplatz. Der schwerverwundete Fahrer wurde auf einem Wagen zur Verbandstelle gebracht, der Geschützführer verschied, als wir ihn in die Reservestellung brachten. Von unseren Pferden waren nur noch drei heil davongekommen. Unsere toten Kameraden wurden nach Matigny überführt und dort zur letzten Ruhe gebettet.“


aus: „Das Württembergische Feld-Artillerie-Regiment Nr. 116 im Weltkrieg“, Stuttgart 1921

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