Samstag, 29. Oktober 2016

29. Oktober 1916


„Die Lage vor der Front des XV. Armeekorps, die von Le Transloy bis zum St. Pierre Vaast-Wald reichte, hatte sich kurz folgendermaßen entwickelt: Engländer und Fran-zosen hatten ihre Durchbruchversuche nach dem Mißerfolg vom 7. Oktober keineswegs eingestellt, sondern sie mit immer neuen Kräften am 12., 17. und 22. Oktober wieder aufgenommen. Aber der Erfolg dieser Angriffe stand in keinem Verhältnis zu den gewaltigen Verlusten, die sie kosteten. Wohl gelingt es den Franzosen, bei Sailly und südlich die große Straße Bapaume – Péronne zu überschreiten; aber bei der Kirche von Sailly gebietet ihnen das I. Bayerische Korps Halt und wirft ihre in den St. Pierre Vaast-Wald eingedrungenen Jäger und Zuaven wieder hinaus. Seither hatten die Versuche des Franzmanns, in Sailly weiter Boden zu gewinnen, nicht aufgehört, und auch am 29. Oktober versuchte er nach zehnstündiger Feuervorbereitung, die sich hauptsächlich gegen den rechten Flügel des III. Bataillons (9. Kompagnie) und die R 1-Stellung richtete, anzugreifen.
Der Graben westlich der Kirche von Sailly war zum großen Teil eingeebnet worden. Ein Maschinengewehr und ein Beobachtungsstand waren zusammengeschossen und ihre Bestzungen – Leutnant d. R. Nauen (3. M.-G.-Komp.) und der Artilleriebeobachter Leutnant Nagelschnitz mit ihren Leuten – unter den Trümmern begraben. Der Graben wurde unhaltbar und Leutnant d. R. Eberhardt, der Führer der 9. Kompagnie, nahm seine Kompagnie unter Zurücklassung einiger gutgedeckter Posten und Maschinen-gewehre bis auf die linke Flügelgruppe unter Unteroffizier Schwarz weiter zurück.
7 Uhr abends erfolgte ein neuer Angriff gegen die Stellung der 9. Kompagnie. Franzosen vom Regt. 24 drangen in den Graben ein: aber Unteroffizier Schwarz warf sich kurz entschlossen mit seiner Gruppe auf die Eingedrungenen und räumte den Graben mit Handgranaten wieder aus. Die 9. Kompagnie rückte wieder nach und verfolgte den abziehenden Gegner, dem es gelungen war, ein im Graben erbeutetes Maschinengewehr samt Bedienung mitzuführen, mit Feuer. Der Gefreite Jakob Bomm aus Kuchen jedoch, der beim Schein einer Leuchtkugel sah, daß die Franzosen, um rascher in die Gräben zu kommen, das Maschinengewehr kurz vorher hatten fallen lassen, raffte rasch einige Handgranaten zusammen und stürzte sich aus dem Graben auf das Maschinengewehr, um es wieder zurückzubringen. Im Begriff, es zu erfassen, sprangen zwei Franzosen auf ihn zu. Er wehrte sie aber mit seinen Handgranaten ab, und es gelang ihm ohne jede Beihilfe, das Maschinengewehr trotz des feindlichen Feuers durch das Trichterfeld in den eigenen Graben zurückzuschleppen. Bomm wurde zum Unteroffizier befördert und mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet.
Auch die 11. Kompagnie war 7 Uhr abends angegriffen worden, hatte sich aber durch ihr Feuer des Gegners zu erwehren vermocht. Um 8 Uhr abends erneuerten die Franzosen nach gründlicher Feuervorbereitung ihren Angriff gegen den Kirchgraben; dabei gelang es ihnen, rechts von der 9. Kompagnie durchzubrechen und dieser in den Rücken zu kommen. Hier wurden sie aber so empfangen, daß sie das Wiederkommen vergaßen. Ein erneuter Angriff um 10 Uhr abends blieb ohne jeden Erfolg. Der letzte Angriffsversuch erfolgte um Mitternacht auf die 12. Kompagnie, die ihn jedoch glatt abwies.
Die Aufräumung der Gräben, das Ausgraben der Verschütteten und die Ergänzung der durch feindliches Artilleriefeuer zerstörten Nachrichtenmittel nahmen den Rest der Nacht vollends in Anspruch.“


aus: „Das 8. Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 126 „Großherzog Friedrich von Baden“ im Weltkrieg 1914-1918ׅ, Stuttgart 1929

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