Mittwoch, 26. Oktober 2016

26. Oktober 1916


„Die 1. Feldkompagnie wurde nach der Ankunft in Roye geteilt. Während die eine Hälfte in den Ruinen und Kellern des Städtchens elend unterkam, bezog die andere ein nahes Lager. Der für die Ludwigsburger zunächst gänzlich neue Dienst an der Front bestand in der Ausbesserung der Kampfgräben, im Anlegen von Drahtverhauen und im Betrieb einer Förderbahn, die vom Pionierpark Roye in die Stellung führte. Unteroffizier Grieb, der mit seinem Kommando diese Förderbahn versah, hatte die mitunter kitzlige Aufgabe, seine vollbeladenen „Loren“ trotz heftiger Beschießung jeweils glücklich in die vom Feind eingesehene Stellung vorzubringen. Sobald erhöhte Gefechtsbereitschaft bestand, bezogen die Kompagnien die zweite Stellung. Rasch gewöhnten sich die Landstürmer an die nicht ungefährliche Lebensweise da vorne; schmerzlich war freilich die Entdeckung, daß die Unterstände von Läusen und Erdflöhen wimmelten, gegen die kein Insektenpulver half. Am 20. Oktober wurde die 1. Feldkompagnie – wieder auf Kraftwagen – von Roye nordwärts nach Athies an der Somme befördert, mitten in ein Gebiet wilder Kämpfe, um Stellungen zu bauen. Da nur ein Teil der Kompagnie in der zu bauenden Riegelstellung selbst unterkam, mußte anfangs der Rest jeden Abend den 9 km langen Weg von Athies zur Arbeitsstelle bei Villers-Carbonnel zu Fuß zurücklegen, durch ein Gelände, das unter ständigem feindlichem Feuer lag, wie die Stellung selber. Das kostete immer wieder Verluste an Toten und Verwundeten, bis mit dem Fort-schreiten des Stellungsbaus die Stellung stärker belegt werden konnte.“


aus: „Landsturm vor! Der mobile württembergische Landsturm im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart, 1929

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