Samstag, 15. Oktober 2016

15. Oktober 1916


„Der Kommandeur des Res.-Inf.-Reg. 122 dagegen gab sich mit dem Verlust seiner Stellung nicht zufrieden. Er befahl, die verloren gegangene Stellung am 15. Oktober, 2 Uhr vormittags, wieder zu nehmen und Génermont, sowie den zweiten Kampfgraben östlich des Ortes zu besetzen. Hierzu wurden sämtliche noch vorhandenen Kompagnien des Regiments dem Kommandeur des III. Bataillons, Hauptmann Müller, zur Verfügung gestellt. Die Riegelstellung sollte durch I./Inf.-Reg. 184 und zwei Kompagnien des Rekruten-Depots besetzt werden. Der Angriff sollte vom Westrand von Fresnes aus unter Aufrollung der verloren gegangenen Stellung von Osten her erfolgen. Der Beauftragte erhob pflichtgemäß hiergegen Bedenken. Die Zeit der Vorbereitung wäre zu kurz, der Führerstab reichte nicht aus und es wären nicht genügend Handgranaten in der Stellung.
Doch umsonst; der Verlust der Stellung schmerzte zu sehr. Der Beginn des Angriffes wurde auf 4 Uhr vormittags festgesetzt, alle Bataillonsstäbe wurden dem Hauptmann Müller zugesandt und unterstellt und Handgranaten sollten nach Bahnhof Marchelepot vorgeführt werden. Die Führer des I. und II. Bataillons trafen in der Nacht wie befohlen ein; I. Bataillon hatte sich am Westrand von Fresnes, II. Bataillon in Fresnes bereit-zustellen, die noch vorhandenen Teile des III. Bataillons sollten rechts und links gestaffelt folgen. Der Gegenangriff kam nicht mehr zur Ausführung, denn die Reste des II. Bataillons erreichten durch das feindliche Artilleriefeuer hindurch ihren Bereit-stellungsplatz nicht rechtzeitig, und I. Bataillon erlitt auf dem Weg nach Fresnes so viele Verluste, daß nur noch etwa 60 Mann der 2. und 4. Kompagnie dort eintrafen. Die Reste des III. Bataillons als einzige waren rechtzeitig am befohlenen Platz.
Mit den wenigen zur Stelle befindlichen Teilen des Regiments war ein Vorstoß gegen den Feind nicht möglich. Die Truppe war zudem durch die mehrwöchigen vorausge-gangenen Anstrengungen und das feindliche Feuer zermürbt. So wurden die gegebenen Anordnungen abgeändert. I. Bataillon (3., 2., 4. Kompagnie zusammen noch 150 Gewehre) und 5. Kompagnie, sowie 1. Rekrutenkompagnie besetzten in der Frühe des 15. Oktober den rechten Unterabschnitt des Regiments in der ehemaligen Riegelstellung von Fresnes bis zur Straße Marchélepot – Génermont. Dieser Graben war vollständig eingeebnet, seine alte Lage nicht mehr erkennbar. Die Leute nisteten sich in Granat-löchern ein ohne Verbindung untereinander. Ein Verkehr des Bataillons mit den Kom-pagnien war bei Tag nicht möglich, da der Hang, an dem die Riegelstellung lag, sich feindwärts neigte und von feindlichen M.-G. vollständig beherrscht wurde. Das II. Bataillon besetzte den linken Unterabschnitt des Regiments. Die Kompagnien des III. Bataillons rückten am 15. Oktober abends in die Quaststellung.“


aus: „Das Württembergische Reserve-Inf.-Regiment Nr. 122 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1922

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