Sonntag, 17. Dezember 2017

17. Dezember 1917



Rudolf Rösler.

Rudolf Rösler ist geboren am 28. Dezember 1879 auf Schloß Kapfenburg, OA. Neresheim, wo sein Vater Domänenpächter war; seine Schulzeit brachte er im Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in Stuttgart zu. Im Herbst 1898 kam er auf die Hochschule, am 26. Oktober trat er als Soldatenfux in die Normannia ein; nach dem Militärjahr studierte er Rechtswissenschaft in Tübingen, Leipzig und Berlin; Frühjahr 1904 erste Dienstprü-fung; Sommer 1908 als Gerichtsassessor in den Staatsdienst, wo er in verschiedenen Stellungen verwendet wurde, insbesondere als Hilfsrichter in Neckarsulm und zuletzt bis zum Kriegsausbruch bei der Staatsanwaltschaft in Hall. Er rückte als Unteroffizier im Ldw.-Inf.-Rgt. 121 aus und stand mit diesem Truppenteil lange Zeit im oberen Elsaß, am Hartmannsweiler Kopf, in und um Sennheim; dort wurde er bald Vizefeldwebel und Leutnant, auch erlangte er das E. K. II. Dabei hatte er das Glück, nie erheblich verwun-det zu werden. Im Frühjahr 1916 wurde er zum Amtsrichter in Herrenberg ernannt, hat aber den Ort nicht mehr betreten. Immer geneigt, die Leistungen anderer anzuerkennen und selbst seine Pflicht in der Stille zu tun, hat Rösler gerade durch seine Bescheiden-heit sich allenthalben Freunde erworben; alles Herrische war seinem Wesen fremd. So hat er insbesondere auch im Feld seinen alten Landstürmern mit Rat und Tat das Durch-halten zu erleichtern gesucht; den Krieg, der ihn aus seiner Laufbahn gerissen hatte, gerade als er hoffen konnte, das bisherige Wanderleben abzuschließen, trug er als eine Last, aber ohne Murren, und war auch aus der Ferne, so gut er konnte, die treue Stütze seiner alleinstehenden Mutter.
Im Mai 1917 kam Rösler mit seiner Division nach Wolhynien, wo damals eine gewisse Ruhe herrschte. Dort war er auch, wie schon früher, Gerichtsoffizier. In einem Brief von dort erwähnt R. erstmals ein Unbefriedigtsein von den innerdienstlichen Verhältnissen, das ihn vielleicht veranlassen werde, sich an die Kampffront zu melden. Indessen kam er dazu nicht; vielmehr finden wir ihn im Herbst 1917 als Führer der 6. Kompagnie im Res.-Rgt. 122 bei derselben Division, die den Kampf dazumal mehr mit dem Wasser als mit den Russen zu führen hatte. Es scheint, daß das Schicksal seines Bruders, der inzwischen einer unheilbaren Geisteskrankheit verfallen war, zusammen mit dem eige-nen Mangel an dem für eine Führerstellung unentbehrlichen Selbstvertrauen ihn an sich selbst verzagt gemacht hat, während er gewiß an treuer Pflichterfüllung den andern nicht nachstand. denn ein bestimmter einzelner Grund ist nicht ermittelt worden, der ihn im folgenden Winter veranlaßte, die Waffe gegen sich selbst zu richten. So ist auch dieser treue Freund ein Opfer des unersättlichen Krieges geworden, und dort im Wolhy-nischen Wald, auf dem Soldatenfriedhof bei Twerdyn am oberen Stochod, hinter den damaligen Stellungen der 7. Landwehrdivision, haben sie ihm den Grabhügel ge-schmückt und das Kreuz errichtet mit der Aufschrift: Gefallen am 17. Dezember 1917.“

aus: „Gedenkbuch der Tübinger Normannia für ihre Gefallenen“, Stuttgart 1921


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