Freitag, 29. Dezember 2017

29. Dezember 1917


„Vielleicht hatten die vielen verwegenen Unternehmungen der letzten Zeit, bei denen sich besonders die Leutnants Jaekle und Walker hervortaten, auch allzu sorglos und sicher gemacht. Wenigstens war ein Angriff, den Vizefeldwebel Mauntz am 29. Dezem-ber auf Punkt 817 machte, an Kühnheit nicht mehr zu übertreffen. Er ließ drei Mann zur Sicherung an der vorher erkundeten Fähre am Kanal zurück und umging dann im großen Bogen den Doppelposten, um ihn von Süden zu packen. Nicht weit entfernt war eine schanzende Abteilung und ein patrouillierender Doppelposten. Mauntz drang durch das Drahthindernis vor und stürzte sich mit seinen fünf Mann auf die zwei, da erhoben sich fünf weitere Belgier, die Ablösung des Postens. Nach kurzem Kampfe wurden sie außer zweien niedergemacht. Diese sollten lebend mit, verteidigten sich aber, laut schreiend verzweifelt, da nahte vom Rücken her der andere Doppelposten. Er wurde zwar gleich entdeckt, und es gelang ihm nur, einen Schuß abzufeuern, aber dieser traf den tapferen Vizefeldwebel Mauntz tödlich. Dann fielen die beiden Angreifer. Nun war inzwischen die ganze Besatzung jenseits des Kanals aufmerksam geworden. Ein wildes M.-G.-Kreuzfeuer peitschte die Gegend, und die Patrouille mußte daran denken, den Rückzug anzutreten. Ihren Führer nahmen sie mit und erreichten ohne weitere Verluste die Stellung.
Das Regiment sah sich daraufhin genötigt, der allzu großen Unternehmungslust zu steu-ern. Es sollten nur noch Nahpatrouillen ausgeführt werden. Denn bei den kühnen Angriffen wurde nicht viel erreicht, und gerade die tüchtigsten Leute konnten dabei verloren gehen.“


aus: „Das Württembergische Reserve-Inf.-Regiment Nr. 247 im Weltkrieg 1914–1918“ Stuttgart, 1924

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