Donnerstag, 10. Mai 2018

10. Mai 1918



„In Verfolgung seines Auftrages, über Olginskaja vorgehend, mit dem I. Bataillon zusammen Bataisk anzugreifen, hatte das verstärkte III. Bataillon am 9. Mai Aksaiskaja erreicht und war in der Nacht auf Dampfer und Fähre über den Don gesetzt; ½ III. Bataillon Landw.-Inf.-Reg. 121 und 6./L.-F.A. 1* waren schon nach Olginskaja voraus-gesandt. Um 8.50 Uhr vormittags marschierte das Bataillon vor und nahm nach Über-schreitung eines 100 Meter weit hüfttief unter Wasser stehenden Sumpfgebietes um 11 Uhr vormittags die Verbindung mit dem III. Bataillon Landw.-Inf.-Reg. 121 auf. Die Reihenfolge beim Vormarsch war: Vorhut 10. Kompagnie mit zwei M.-G. 08; Gros 12., 11. Kompagnie, 3. M.-G.-Kompagnie, Minenwerferabteilung, 9. Kompagnie, 6./L.-F.-A. 1. Die Bagage folgte mit 800 Meter Abstand. Um 1 Uhr nachmittags meldete der mit acht Ulanen zur Erkundung vorausgesandte Leutnant Hofmann, daß er aus dem Meier-hof und von den Erdhügeln Gewehr- und M.-G.-Feuer erhalten und Reiter gesehen habe. Bald darauf erhielt auch die Kolonne beim Vormarsch wirkungsloses Artilleriefeuer aus Stadt und Bahnhof Bataisk; unsere 6./L.-F.-A. 1, später verstärkt durch 3./L.-F.-A. 1, brachte die feindliche Batterie bald zum Schweigen und Abzug, auch schoß sie am Bahnhof einen abfahrenden Zug in Brand. Das Bataillon ging entfaltet bis in Höhe Meierhof vor und von dort 5 Uhr nachmittags mit drei entwickelten Kompagnien weiter in Richtung des Bahnhofes von Bataisk. Zwischen Bahnhof und Höhenzug südlich davon war lebhafter Zugverkehr, auch mit vier Panzerzügen zu beobachten, welch letztere wirkungsloses Schrapnellfeuer abgaben. Auch begann die feindliche Artillerie in der Stadt wieder zu feuern. Auf die Meldung einer inzwischen vorgesandten Kavalleriepatrouille, daß sie unbeschossen den Ostrand von Bataisk betreten habe, ging das Bataillon mit der 12., 11. und 10. Kompagnie und je zwei M.-G. 08 in vorderer Linie zum Angriff vor. Verlockend erschien dies, da der Gegner möglicherweise abzog und man ihn noch vor Dunkelwerden fassen wollte.
Unsere Bewegungen und Stärke wurden in dem deckungslosen Gelände unschwer erkannt, zumal von den Türmen in Bataisk. Als die Schützen sich bis auf 800 Meter dem Bahndamm genähert hatten, schlug ihnen von dem bis dahin unsichtbaren Gegner plötzlich lebhaftes und andauerndes M.-G.- und Gewehrfeuer frontal vom Bahnhof, rechts flankierend aus der Stadt und links flankierend vom Bahndamm entgegen. Um 6.20 Uhr abends verstärkte der Gegner sich in der Front und auf beiden Flügeln und ging zum umfassenden Angriff vor. In der Front und am rechten Flügel hielten 11. und 12. Kompagnie ihn nieder, besonders die wackeren M.-G. 08, wobei 12. Kompagnie geschickt zurückbog. An seinem rechten Flügel holten feindliche Infanterie und etwa 200 Reiter auf 2500 Meter Entfernung so umfassend aus, daß diese Bewegung nicht verhindert werden konnte. Jedoch unsere Artillerie hatte nicht mehr genügend Munition, sie nahm Stellungswechsel nach Meierhof vor; auch der Druck auf den linken Flügel und die Flanke des Bataillons wurde fühlbar und verstärkte sich so, daß 10. und 11. Kompagnie eine neue Front einige hundert Meter rückwärts bildeten. Der Gegner arbeitete sich in Stärke von 1500 Mann in mehreren Linien gegen den linken Flügel des Bataillons heran und ging 8 Uhr abends zum Angriff vor. In dieser gefährlichen Lage setzte Hauptmann Haas mit seiner 9. Kompagnie zum Gegenstoß an und schaffte Luft. Das gab wieder Mut und Selbstvertrauen. 10. Kompagnie und Teile der 11. Kompagnie schlossen sich tapfer an und unter Hurra mit gefälltem Gewehr wurde der Gegner mit schweren Verlusten zurückgeworfen. Inzwischen war es Nacht geworden; die Gefahr erneuten umfassenden Angriffes schien noch möglich. Mit unserer Artillerie fehlte jede Verbindung; der Gegner in der Front war nicht sturmreif, da seine M.-G. wegen schlechter Beobachtung nicht niedergekämpft waren. Der Bataillonskommandeur, Ritt-meister Frhr. v. Crailsheim, nahm deshalb sein Bataillon bis in Höhe des Meierhofes zurück. Dort traf um 5 Uhr vormittags Major v. Sternenfels mit 1½ Kompagnien des III. Bataillons Landw.-Inf.-Reg. 121 und der 5./L.-F.-A. 1 zur Verstärkung ein. Doch die Ermüdung nach vier Tagen angestrengten Marsch- und Gefechtsdienstes ohne viel Nachtruhe erforderte ihr Recht; auch setzte in der Nacht Regen mit Kälte und Sturm ein. So gingen die Truppen nach Verbringung der Nacht auf dem Gefechtsfeld zur Wieder-herstellung der Kampfkraft nach Olginskaja in Unterkunft zurück.
Die eigenen Verluste betrugen 12 Tote, 34 Verwundete (darunter Leutnant d. R. Dettinger und Ruf) und 6 Vermißte. Die 3. und 6./L.-F.-A. 1 hatten 10 Verwundete, darunter Major d. L. Villinger, Leutnant d. R. Heckel, Maier, Ehrlenspiel und Neuffer.“

aus: „Das Württembergische Reserve-Inf.-Regiment Nr. 122 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1922

*L.-F.-A. 1: Württembergisches Landwehr-Feldartillerie-Regiment Nr. 1

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