Donnerstag, 31. Mai 2018

31. Mai 1918



„10 Uhr vormittags trat das Bataillon an. Unter geschickter Ausnutzung des in der Nacht erkundeten Geländes wurde Léchelle ohne Verluste erreicht, Chazelle durch Über-rumpelung genommen. Unverzüglich wurde in der Mulde südwestlich Chazelle gegen die Pariser Stellung vorgegangen. Mit 3 Kompagnien in vorderer Linie brach der Sturm auf das stark besetzte feindliche Bollwerk los. Trotz heftigen Abwehrfeuers gelang es dem Bataillon, bis dicht an die Stellung heranzukommen, an einer Stelle sogar über das breite Hindernis hinweg in diese einzudringen. Auch das links anschließende Inf.-Regt. 53 war gut vorwärtsgekommen, während der rechte Nachbar im feindlichen M.-G.-Feuer stark zurückblieb. Das I. Batl. war inzwischen bis Chazelle gefolgt und hatte sich an dem Hang dicht westlich des Dorfes bereitgestellt. Das französische Artilleriefeuer steigerte sich.
Es war etwa 2.30 Uhr nachmittags, als plötzlich, wie aus dem Boden gezaubert, ein feindlicher Tankangriff kam. Von schwarzen Truppen begleitet, brachen etwa 20 schnell fahrende Kampfwagen gegen das Bataillon Roller vor. Rasch wurde der rechte, nicht angelehnte Flügel unter dem Schutze unserer Minenwerfer und Begleitbatterie zurück-gebogen und der Angriff dann auf nächste Entfernung abgewehrt. Einige der eisernen Ungetüme blieben in unserem Feuer liegen, die anderen zogen sich schleunigst zurück. Kaum war dieser Kampf entschieden, als auf dem linken Flügel französische Kavallerie gefolgt von marokkanischen Fußtruppen anritt. Mit leichter Mühe wurden die kühnen Reiter durch unsere 4. Kompagnie abgewiesen. Trotzdem versuchte der Feind immer wieder, sich unserer Umklammerung zu entziehen, galt es doch für ihn, seine jetzige Stellung mit Aufbietung aller Kraft zu verteidigen. Schon gegen 5 Uhr nachmittags war ein erneuter Tankangriff gegen unseren rechten Flügel vorgebrochen, jedoch wieder ohne Erfolg. Trotz aller Gegenangriffe hielt sich das II. Bataillon dicht vor der feind-lichen Stellung. Erst als der linke Nachbar durch flankierendes M.-G.-Feuer an den Süd-ostrand von Léchelle ausweichen mußte, hatte auch unsere Stunde geschlagen. Jetzt hingen beide Flügel in der Luft, so daß sich der Bataillonsführer entschließen mußte, diese zurückzubiegen, um zwischen Chazelle und Léchelle eine nach Westen halbkreis-förmig vorspringende Stellung einzunehmen.
Kaum war diese bezogen, so wurde sie auch schon angegriffen. Jedoch umsonst. Alle Angriffe, die während des Abends und teilweise noch in der Nacht erfolgten, blieben in unserem Feuer liegen.“

aus: „Die Geschichte der Württembergischen Gebirgsschützen“ׅ, Stuttgart 1933

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