Samstag, 19. Mai 2018

19. Mai 1918



„Am 17. Mai wuchs wieder die Spannung. Man hatte in Erfahrung gebracht, daß am 19. ein größerer Angriff geplant sei. Demnach war alles in höchster Gefechtsbereitschaft.
Soeben hatte man abgelöst. III. Bataillon war vorne, I. in Bereitschaft, das hieß aber damals nichts anderes als vorne, denn 1. Kompagnie lag am Bahndamm, 2. im Ort und 3. und 4. standen an der Stra0e Méaulte – Morlancourt. Lauter Stellen, die unter stärks-tem Beschuß lagen. Am Abend des folgenden Tages wurde auch noch das II. Bataillon herangezogen. Die 4. Kompagnie diente in Dernancourt zu weiterer Verstärkung. Ihre Stelle übernahm die 8. Kompagnie.
In unbehaglicher Erwartung sahen wir diesmal dem Pfingsttage entgegen. Gegen 3 Uhr morgens begann links lebhaftes Feuer, das den Charakter von Trommelfeuer hatte. Rote Leuchtkugeln stiegen hoch. Auch im Aveluywald schien ein Angriff vor sich zu gehen. Gegen unsern Abschnitt fühlten Patrouillen vor, wurden aber vertrieben. Die 9. Kom-pagnie (am linken Flügel) beobachtete eine stärkere englische Schützenlinie in der Gegend unserer früheren Besetzung nördlich Ville sur Ancre. Sie eröffnete darauf das Feuer. Da verschwanden die Tommys.
Gegen Morgen trafen Gerüchte ein, Ville sur Ancre sei vom Gegner genommen. Sofort sandte das I. Bataillon Erkundungspatrouillen aus und erfuhr danach etwa folgende Lage: Das Reg. 184 hatte tatsächlich die Ortschaft verloren und saß nun mit seinen Überbleibseln in der Gegend nördlich Morlancourt und in diesem Ort. Zwischen dem rechten Flügel von 184 und dem linken vom III. Bataillon an der Mühle klaffte eine breite Lücke von wenigstens 700 Meter.
Diese mußte geschlossen werden. Zuerst rückte 3. Kompagnie unter Leutnant Berger im Anschluß an Morlancourt vor, später wurde rechts davon die 6. eingesetzt unter Leut-nant Würth. Patrouillen beider Kompagnien stellten bald fest, daß die Engländer nur den westlichen Teil des Ortes und den Hohlweg südlich davon besetzt hatten. Das Reg. 184 wußte nicht recht Bescheid über die Lage. Bei Nacht rückte auch noch 5. und 7. Kompagnie hinter 3. und 6., und nun wurde Verbindung zwischen Morlancourt und der Ancremühle hergestellt. Damit war die größte Gefahr vorbei. Der Gegner, der sich ver-hältnismäßig ruhig verhielt, schien auch gar nicht die Absicht zu haben, weiter vorzu-dringen.“


aus: „Das Württembergische Reserve-Inf.-Regiment Nr. 247 im Weltkrieg 1914–1918“ Stuttgart, 1924

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