Samstag, 5. Mai 2018

5. Mai 1918



„Mit der Zeit wurde das Ruhebedürfnis der Truppe immer größer; es hatte nur notdürftig dadurch befriedigt werden können, daß die Bataillone alle 6 Tage auf 3 Tage in das häufig unter dem Feuer schwerer Flachbahngeschütze liegende und in jeder hellen Nacht von Fliegern heimgesuchte Ruhelager bei Grévillers zurückgezogen wurden. Trotz der aufopfernden Tätigkeit der Ärzte und des gesamten Sanitätspersonals hatten durch den ständigen Aufenthalt in Nässe, Kälte und Schmutz die Erkrankungen bedenk-lich zugenommen.
Die immer wiederholten Versuche, die Tapfersten des Regiments, unsere noch vor dem englischen Graben liegenden toten Kameraden zu bergen, scheiterten an der Wachsam-keit und dem Feuer der feindlichen Posten; diese Versuche haben weiteres Blut braver Grenadiere gekostet, ohne daß ein Erfolg erzielt war.
So blieb dem Regimentskommandeur nichts anderes übrig, als beim Scheiden aus der Stellung den Nachfolger dringendst zu bitten, diese Kameradenpflicht zu übernehmen und dem Regiment gegebenenfalls Mitteilung darüber zukommen zu Lassen. Leider ist eine solche dem Regiment nie zugekommen. So können wir nur hoffen und vermuten, daß unsere gefallenen Kameraden später vom Gegner bestattet worden sind, wie wir es mit gefallenen Feinden immer getan haben.“

aus: „Das Grenadier-Regiment „Königin Olga“ (1. Württ.) Nr. 119 im Weltkrieg 1914-1918“, Stuttgart 1927

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