Dienstag, 14. März 2017

14. März 1917


„Der Zustand der Stellung war im allgemeinen gut, die Kampf- und Laufgräben waren jedoch zu eng und zu tief. Die Hindernisse waren breit und überall vorhanden. Stollen und Unterstände waren zahlreich, sodaß die Besatzung gut untergebracht werden konnte. Jeder Bataillons-Abschnitt hatte eine eingebaute Küche, die Bataillone konnten daher warm verpflegen, ohne die Feldküchen in Anspruch zu nehmen.
Was die Verpflegung betraf, so konnte man darüber berechtigt Klage führen. Wir befanden uns damals in dem bekannten Rüben-Winter. Rüben gab es damals in jeder Form, als Suppe, anstatt Fleisch, in Form von Marmelade zum Brot. Auch aus gedörrten Kartoffelschalen wurde Suppe gemacht. Die Brotrationen wurden stark herabgesetzt. Mit Grausen denkt man heute noch an die Suppe, welche der Soldatenwitz mit „Ulanenhäcksel, Drahtverhau“ usw. bezeichnete. Da die Stellung als ruhig galt, gab es keine Kampfzulage. Zur Verbesserung der Kost wurde Jagd gemacht auf die zahlreich vorhandenen Karnickel. Auch Krähen wurden abgekocht, deren Fleisch aber nie weich wurde. Schmackhafter waren Teile von gefallenen Pferden. Die Ochsen, welche die Kleinbahnwagen zogen, kamen auffallend oft in „schweres feindliches Feuer“ und mußten verwundet von der Truppe abgeschlachtet werden. Viele Offiziere hatten damals noch Hunde, der Bestand an solchen verminderte sich aber zusehends. Selbst der Hund des Divisions-Kommandeurs wurde seiner Bestimmung als „Kochgeschirr-Aspirant“ zugeführt. Trotz eifrigem Suchen auf Divisions-Befehl hin, kam er nicht wieder zum Vorschein. Er war den Weg allen Fleisches gegangen. Um das Essen schmackhafter zu machen wurden die Kompagnie-Köche zu Kochkursen kommandiert. Aber auch nach diesen Kursen blieben Rüben eben Rüben. In der Kantine konnte man außer Kunsthonig auch nichts mehr kaufen, und so war der Hunger nicht mehr abzuleugnen. Die fetten Suppen in Flandern mit den vielen Fettaugen waren nur noch in der Erinnerung und in den Träumen vorhanden.
Die Kampftätigkeit war gering. Die gegenüber liegenden Franzosen schienen auch abgekämpft zu sein. Der Dienst bestand fast nur in Wach- und Arbeitsdienst. Auch die Artillerie hielt sich sehr zurück. Die Bataillone blieben jeweils 16 Tage in Stellung, um dann 8 Tage ins Ruhelager zu kommen. Der in Saarburg begonnene Maschinengewehr-Kurs für Infanteristen wurde im Grenadier-Lager fortgesetzt.“


aus: „Das Württembergische Reserve-Inf.-Regiment Nr. 246 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1931

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