Mittwoch, 22. März 2017

22. März 1917


„In der Nacht vom 13./14. März begannen die unter dem Stichwort Brunhide auszu-führenden Rückwärtsbewegungen. In der Kampfstellung befand sich das II./ 124, das vom III. in der Gegend von Manancourt aufgenommen wurde. Vom II. blieben 2 Offizierspatrouillen in der ehemaligen vorderen Linie, um deren Besetzung möglichst lange dem Gegner vorzutäuschen, sie wurden geführt von Leutnant d. R. Weber, 6./124 und Wetzel 7./124. Bereits 5.30 Uhr vormittags drang eine englische Patrouille in unsere alte Stellung ein und verwundete vor dem Stollen einen Posten. Die Engländer besetzten sofort diesen Stolleneingang und warfen weitere Handgranaten. Der durch Pistolen-schuß verwundete Unteroffizier Pichler, 7./124, stieg den anderen Stolleneingang empor und vertrieb seinerseits die Engländer durch Handgranaten. Kurze Zeit darauf wurde eine zweite englische Patrouille vertrieben, hinter der bereits eine Schützenlinie aufge-baut war, die sich kriechend unserer Stellung näherte. Durch kräftiges Feuer gelang es Leutnant d. R. Weber, sie wieder zu vertreiben. 6 Uhr vormittags gingen die Patrouillen befehlsgemäß zurück bis zum nächsten befohlenen Halt, von hier dann 6.30 Uhr vormittags in die Aufnahmestellung des Bataillons. 11.30 Uhr vormittags wurde die verlassene Stellung noch frei vom Feind festgestellt, 3 Uhr nachmittags besetzte sie dann der Gegner endgültig. So ging die Bewegung täglich weiter ostwärts in kurzen Sprüngen, alle Bewegungen fanden nur bei Nacht statt, Stellungen zur Aufnahme der zurückmarschierenden Teile waren genügend vorhanden, für Unterkunft wurde durch rechtzeitige Vorkommandos gesorgt. Alle Sorge, daß der Abbau vom Gegner gestört werden würde, war unnötig gewesen. Im Abschnitt der Division fiel kein Artillerie-schuß, nirgends trat Infanterie oder Kavallerie auf. Am 16. März gingen die Brun-hildebewegungen in die Siegfriedbewegung über, Guyencourt wurde geräumt, ebenso Equancourt und Nurlu. Die Kanalbrücken wurden gesprengt, ebenso Straßenkreuzungen und Übergänge. Auch von Fliegern gänzlich unbelästigt, erreichte das Regiment seine neuen Unterkünfte südlich Valenciennes. Am 20. März lagen Regimentsstab, ½ I. in Artres, ½ I. in Querenaing-Vendegies, II. in Montigny, III. in Maing. Bis 23. März unterstanden die Truppen noch dem Generalkommando XIII in Caudry, dann traten sie als Armeereserve zur I. Armee und wurden zu gleicher Zeit Übungsdivision zur Vor-führung des Abwehrkampfes.“

aus: „Das Infanterie-Regiment „König Wilhelm I“ (6. Württ.) Nr. 124 im Weltkrieg 1914–1918ׅ, Stuttgart 1921


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