Donnerstag, 16. März 2017

16. März 1917


„Die Artillerie beschoß auf unser Ansuchen hin nach Kräften die vermuteten feindlichen Batterien und Artilleriebeobachtungsstellen. Im Laufe der schweren feindlichen Be-schießung waren die durch Remenauville führenden Laufgräben und die vordere Stel-lung stark zusammengeschossen. Die Verbindung zwischen dem Gefechtsstand des I. Batl. und den vorderen Kompagnien war von 4 Uhr nachmittags ab nur durch unsere hervorragend tapferen Meldeläufer, welche um Remenauville herum den feindlichen Feuerriegel durchdrangen, aufrecht zu erhalten und fiel zu gewissen Zeiten ganz aus.
Auch nach rückwärts war die telephonische Verbindung zwischen den Stäben zeitweise durch das feindliche Feuer unterbrochen und wurde in schwierigem Dienst durch Läuferketten ersetzt. Feindliche Flieger leiteten das Feuer auf uns und erkundeten zeit-weise seine Wirkung.
5.45 Uhr nachmittags schickte der Kompagnieführer der 4. Komp., Leutnant d. L. Dürr, Meldung, daß unsere Stellung sehr stark beschädigt, der Kompagnieführerunterstand durch Volltreffer verschüttet und nur ein schmaler Schacht offen sei; die Besatzung – auch der Kompagnieführer – sei durch Oxydgas erkrankt; durch Anwendung des Sauerstoffapparates seien bis jetzt schwerere Erkrankungsfälle behoben worden. Diese Meldung traf trotz des anhaltenden lebhaften Feuers auch Umwegen durch beherzte Läufer 7.15 Uhr abends auf dem Bataillonsgefechtsstand ein.
Als von dem in der zweiten Linie befindlichen Regimentsbeobachtungsoffizier gemeldet wurde, daß auch das Drahthindernis vor Abschnitt Remenauville beschossen werde, ordnete das Regiment für alle Teile die höchste Gefechtsbereitschaft und das Vorziehen der Reserve-Maschinengewehre in die vorbereiteten Maschinengewehrstände an und hielt die Artillerie behufs rechtzeitiger Abgabe des Sperrfeuers auf dem Laufenden mit den Vorgängen.
Das vor dem Abschnitt eingebaute Starkstromhindernis war durch das feindliche Feuer zerstört und deshalb unwirksam. Von 7 Uhr abends ab war ganz Remenauville und Umgebung in Rauch gehüllt; rings herum krachten die feindlichen Granaten.
Mann hatte von rückwärts den Eindruck, also ob vorne nichts mehr am Leben sein könne.
In dieser kritischen Zeit ist der Feind – wie sich nachher feststellen ließ – unter dem Schutze einer Feuerglocke an der Grenze zwischen 2 Kompagnieabschnitten, bei A 2 a und b überraschend in unseren Graben eingedrungen, solange die durch das stunden-lange starke Feuer wie betäubte Besatzung in den noch erhalten Unterständen fest-gehalten war. Infolge des Rauches und des Lärms der krachenden Geschosse war von der Nachbarbesatzung das Vorgehen der Franzosen nicht wahrgenommen worden.
Unsere Verluste durch die andauernde Beschießung und dem darauf folgenden feindlichen Einbruch waren: Offizierstellvertreter (Vizefeldwebel) Ullrich und 6 Mann tot, 9 Mann verwundet, 1 Offizier (Dürr) und 6 Mann gaskrank, 4 Mann vermißt (gefangen). Unter den Vermißten war auch der tapfere Wehrmann Bräuninger (2.), der trotz des starken Feuers immer wieder vom Unterstand auf die Brustwehr sprang und zu beobachten versuchte.
Die Gefangennahme einer Stollenbesatzung hat Vizefeldwebel Herrmann durch Heraus-springen und Angriff auf den bis an den Stolleneingang vorgedrungenen Feind verhin-dert und ihn zum schleunigen Rückzug – von ihm und seiner Leute Feuer verfolgt – gezwungen. Hierbei hat sich auch Unteroffizier Ilg besonders ausgezeichnet. Einige Kisten Sprengmunition hatten die Franzosen auf der Flucht zurückgelassen. Vizefeld-webel Herrmann, der, als er die Gefahr erkannt, sofort eine gelbe Leuchtkugel abge-schossen hatte zum Zeichen, daß der Feind angriff, erhielt für sein umsichtiges und tapferes Verhalten das E. K. I.
Wenn auch das feindliche Eindringen in die Stellung und die Verluste sehr beklagens-wert waren, so muß doch der Grabenbesatzung des I. Batls. und ihren Führern für ihr tapferes Verhalten und Aushalten im stärksten feindlichen Feuer volles Lob gespendet werden. Abgeschnitten durch Feuer und Rauch nach den Seiten und nach rückwärts war sie nach stundenlangem Ausharren in feindlicher Beschießung ganz auf sich selbst angewiesen. Die nächsten Nachbarabschnitte – selbst beschossen – hatten das Vorgehen des Feindes nicht beobachten können. Unser Artilleriesperrfeuer setzte ein, als die Franzosen schon wieder auf dem Rückzug waren.
Die Stellung sah am folgenden Morgen übel aus und mußte mit Einsetzung aller Kraft ganz aufgebaut werden; die meisten Unterstände waren durch die schweren feindliche Granaten eingedrückt, die Gräben vielfach eingeebnet, das Hindernis stark beschädigt.“


aus: „Das Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 478 und seine Stammtruppen Brigade-Ersatz-Bataillone Nr. 51, 52, 53 und Ersatz-Infanterie-Regiment Nr. 51“, Stuttgart 1924

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