Dienstag, 2. Mai 2017

2. Mai 1917


„Nach einer Woche, am 28. April, wurde das Regiment in seiner Bereitstellung von einem anderen abgelöst und rückte nach dem nahen Evergnicourt ins Ortquartier, wo man sich in den fast ganz zerstörten Häusern, so gut es eben ging, einrichtete. In der ersten Nacht, die man dort zubringt, ist starkes Trommelfeuer aus der Richtung Berry-au-Bac zu hören. Neue starke feindliche Angriffe sind zu befürchten, und am 29. April, abends 7 Uhr, befiehlt die Division erhöhte Gefechtsbereitschaft ab 12 Uhr nachts. Wen dieser Befehl noch kalt läßt, dem sagen die um 8 Uhr plötzlich in das Dorf hineinsausenden schweren Granaten deutlich genug, daß es ernst wird. Und verteufelt unangenehm ist es, während der Beschießung in den wackeligen Buden zu sitzen. Man eilt in die schon früher angelegten Stollen an den Hängen außerhalb des Orts. Die abscheuliche Beschießung hört jedoch bald auf. Neue Befehle treffen ein. Ein Bataillon soll um 3 Uhr früh am 30. April in der sog. Variscourt-Stellung südlich Menneville als Reserve der 8. Jnf.-Brigade bereitstehen, die beiden andern Bataillone an den Menneviller Steilhang am Kanal rücken. Nach Mitternacht sammelt sich das ganze Regiment mit der Gefechtsbagage in Evergnicourt, durch dessen enge Straßen ein unheimliches Gedränge von Fußtruppen, Reitern, Wagen und Kolonnen zieht. Wehe, wenn jetzt wieder die Ferngeschütze des Feindes loslegen! Doch glatt löst sich das Regiment vom Ort los und nur ab und zu jagen in der Nacht einige schwere Granaten über das marschierende Regiment weg, das durch das ebenfalls stark zerschossene Neufchâtel am Aisne-Marne-Kanal entlang nach dem Steilhang südlich Menneville rückt. Dort richten sich auf engsten Raum zusammengedrängt, das II. und III. Batl. ein., während das I. Batl. die Variscourt-Stellung bezieht.
Reger Fliegerverkehr am 30. April und gegen Abend sich steigerndes feindliches Artilleriefeuer auf den Steilhang und die dortige Brücke über den Kanal, besonders aber heftiger Kanonendonner von der Höhe 100 her, lassen auf einen unmittelbar bevorstehenden feindlichen Angriff schließen. Es wird erhöhte Gefechtsbereitschaft befohlen, Offizierspatrouillen (von jedem Bataillon 2 Offiziere) werden ins Vorgelände geschickt. Doch bleibt die Nacht ruhig und auch der Vormittag des 1. Mai. Die erhöhte Gefechtsbereitschaft wird aufgehoben. So geht es nun in den nächsten Tagen weiter.“


aus: „Das Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 478 und seine Stammtruppen Brigade-Ersatz-Bataillone Nr. 51, 52, 53 und Ersatz-Infanterie-Regiment Nr. 51“, Stuttgart 1924

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