Donnerstag, 4. Mai 2017

4. Mai 1917


„10 Uhr abends traf ein Divisionsbefehl ein, der einen Gegenangriff am 4. Mai morgens anordnete. Hierzu sollten im 1. Graben je 1 Stoßtrupp von 123 und 124 mit Flam-menwerfern vorgehen, um in dieser Linie die Verbindung herzustellen und alles andere dadurch abzuschneiden. 1 Uhr nachts traf I. Res.-Inf.-Regt. 15 ein, das zwischen Rien-court und Cagnicourt bereitgestellt wurde. 4.45 Uhr vormittags begann nach kurzer aber kräftiger Artillerievorbereitung der Gegenangriff. In beiden Gräben ging es anfangs gut vorwärts, 250 Meter waren zurückgewonnen, je näher aber die Flammenwerfer an die Einbruchsstelle herankamen, desto mehr verstärkte sich der Widerstand. Außerdem versagte die Wirkung dieser Waffe, da ein Graben als Anlehnung fehlte und der in den Trichtern verteilt liegende Feind zu viel Angriffspunkte bot. Minen und Gewehrgranaten hielten die Stoßtrupps soweit ab, daß Handgranaten wirkungslos blieben.  Jetzt trat auf beiden Seiten eine kurze Pause mit verhältnismäßiger Ruhe ein. Die Reste der 9./124, deren Führer, Leutnant d. R. Beck, vermißt war, wurde in die Katakombe nach Rien-court gezogen. Gegen 4 Uhr nachmittags stieß der Gegner erneut mit starken Kräften vor und dehnte sich bei beiden Regimentern auf die am Morgen innegehabte Stellung aus. Der sofort angesetzte Gegenstoß, an dem sich die in Riencourt befindlichen Teile von Res.-Inf.-Regt. 15 beteiligten, warf den Gegner wieder zurück. 5.45 Uhr nachmit-tags nahmen die Engländer wieder die Stellungen, auch verstärkten sie ihre Bemühun-gen, auf Riencourt Boden zu gewinnen. Dieser Ort sollte das Ziel des ersten Kampftages sein, sie hatten auch am zweiten noch keine Aussicht, es zu bekommen. Vorläufig verhinderte unser Feuer aus C 4 und 5 und dem Calwer Graben, sowie die Artillerie jedes Vordringen. 7.50 Uhr abends war beim Regiment C 1 – 3 in beiden Linien ver-loren, beim rechten Nachbar die ganze vordere Linie. 8.30 Uhr abends fiel durch M.-G.-Schuß der Führer der 12. Kompagnie, Leutnant d. R. Gundermann. Allmählich spitzte sich aber die Lage zu, die abgekämpfte Truppe büßte Stunde für Stunde mehr von ihrer Widerstandskraft ein, auch die Artillerie, die Tag und Nacht durchgefeuert hatte, begann zu ermatten, das Material stand an der Grenze der Höchstleistung. Noch einmal galt es an diesem Tag, alle Kräfte anzuspannen, 10.30 Uhr abends sollte ein großer Gegenangriff stattfinden, hierzu waren am Nachmittag zur Verfügung gestellt worden II. Lehr-Inf.-Regt. und 2 Bataillone Res.-Inf.-Regt. 98. Bis 10 Uhr abends hatte die Artil-lerie ein ruhiges Störungsfeuer zu unterhalten, von 10 – 10.30 Uhr abends sollte sie es steigern und es mit Beginn des Angriffs vorverlegen. Von der Artillerieschutzstellung hatten vorzustoßen II./Lehr-Inf.-Reg. rechts, I. Bataillon 98 links, den Cannstatter Gra-ben sollte das Regiment selbst wieder nehmen. Auch dieser Angriff glückte infolge starker feindlicher Gegenwirkung nicht. Gegen 2 Uhr vormittags war es einem Sturm-trupp von 123 und 124 gelungen, im vordersten Graben Fühlung zu bekommen, das Gelände konnte aber nicht behauptet werden.“

aus: „Das Infanterie-Regiment „König Wilhelm I“ (6. Württ.) Nr. 124 im Weltkrieg 1914–1918ׅ, Stuttgart 1921


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