Freitag, 5. Mai 2017

5. Mai 1917


„Die Lage war am Morgen des 5. Mais, nachdem auch in dieser Nacht wiederum ein Vorstoß auf Bullecourt abgeschlagen war, die gleiche wie am 4. abends: der Gegner, der seit dem ersten Angriffsmorgen ebenfalls neue Truppen herangebracht hatte, saß in der alten Ausdehnung im Divisionsabschnitt drin, links und rechts eingefaßt von den Resten der Regimenter 123 und 124, vor sich zu beiden Seiten der Wegspinne Lehr I. R. und R. I. R. 98.
Ein neuer Versuch zu Wiedergewinnung der verlorenen Stellung wurde am 5. nicht mehr gemacht; vielmehr ging von der Brigade um 10.40 Uhr vormittags der Befehl ein, keine weiteren Kräfte zum Angriff mehr einzusetzen und die Stellung abzuriegeln. Zur Fortsetzung der Kämpfe hätte die Kraft unserer Leute, die nun seit über 48 Stunden ununterbrochen fortgekämpft hatten, auch nicht mehr ausgereicht und ähnlich ging es der Divisionsartillerie, die ebensolang andauernd im Sperr- und Vernichtungsfeuer lag. Es war daher ein Glück, daß auch der Gegner eine Atempause benötigte und am 5. nicht mehr angriff. Nur das Artilleriefeuer wollte nicht verstummen und dieser letzte Tag von Bullecourt riß nochmals schwere Lücken in die zusammengeschmolzenen Reihen. Einer der schmerzlichsten Verluste war die schwere Verwundung des tapferen Führers der 8. Kompagnie, Leutnant Eisele, der einen Granatsplitter im Unterleib von seinem treuen Burschen geborgen wurde, aber einige Tage darauf seinen Wunden erliegen mußte. Nicht zuletzt ihm war es zu danken, daß es dem Gegner auf dem linken Flügel nicht gelungen war, seinen ersten Einbruch wesentlich zu erweitern, und daß das Regiment, als die Truppen des 1. und 2. Kampfgrabens in der Nacht zum 6. Mai herausgezogen wurden, ¾ seines Abschnitts unversehrt dem Nachfolger, I. Bataillon R. I. R. 98, übergeben konnte.
Bei langsam einschlummerndem Feuer, in schöner Mondnacht schieden die Trümmer des Regiments aus den zerschossenen Stellungen. Wieder war edles Blut geflossen, wieder blieben die Besten auf blutiger Wahlstatt gefallen auf dem Schlachtfeld zurück. Aber Bullecourt, der Kampfpreis, war deutsch geblieben und wahrhafte Helden waren alle, die in wilder Infanterieschlacht mit Bajonett und Handgranate dem Gegner den Eintritt in seine Trümmer verwehrt hatten. 7 Angriffe hatte allein die 1. Kompagnie abgeschlagen und 4 Tanks, 7 Lewisgewehre und 63 Gefangene waren ihre Beute in 3tägigem Kampf. Unabsehbar lagen als Folge des heldenmütigen Widerstandes tote Engländer vor der Front oder hingen in den Drahtverhauen von den Maschinenge-wehren niedergemäht. Der Führer der 1. Kompagnie zählte allein vor seinem Abschnitt 829 tote Engländer, ein Unteroffizier 817. Aber auch die Verluste der Deutschen waren sehr schwer, wenngleich sie die englische Riesenziffer nicht erreichten. 704 Grenadiere, unter ihnen 17 Offiziere, verzeichnet die Verlustliste des Grenadierregiments aus den Kämpfen um Bullecourt – d. i. die Hälfte derer, die dort im Feuer gestanden waren.“

aus: „Die Ulmer Grenadiere an der Westfront“, Stuttgart 1920


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