Montag, 29. Mai 2017

29. Mai 1917


„Die Bataillone wechselten jetzt in dreitägiger Folge zwischen Kampf-Bereitschaft und Reserve-Stellung. Es konnte jetzt begonnen werden, wieder Gräben und Stellungen herzustellen, indem man die Granatlöcher und einzelne Grabenstücke, die noch vorhanden waren, miteinander verband. In der vordersten Linie änderte man möglichst wenig, damit die feindlichen Flieger ihren Verlauf nicht feststellen konnten. Tatsächlich hat auch die vorderste Besatzung am wenigsten Artilleriefeuer erhalten. Dafür war sie aber bei Tag vollständig vom Verkehr abgeschnitten, nur die braven Meldehunde liefen unbeirrt durch Artilleriefeuer zwischen vorderster Linie und K.-T.-K. und zwischen diesem und Regimentsgefechtsstand hin und her. Oft machten auch die unerschrockenen Gefechtsläufer den gefährlichen Weg, wenn es dringend sein mußte. Auch die Bataillonskommandeure und Ordonnanzoffiziere der höheren Stäbe drangen in den ruhigen Morgenstunden bis zu der vordersten Linie vor, um sich ein Bild von der Lage zu machen oder die Besatzung nach ihren Eindrücken, Erfahrungen und Wünschen zu fragen; sie haben da manches gehört und gesehen, das sie auf dem Dienstweg nicht erfahren hätten.
Hier sei auch noch der Trägertrupps gedacht, die hier zum ersten Male in größerem Maße zum Vorbringen von Munition und Verpflegung in die Stellung verwendet wurden. Sie haben Nacht für Nacht, ohne Rücksicht auf das Artilleriefeuer, schwer beladen, auf unbeschreiblich schlechten und beschwerlichen Wegen, ihren Kameraden vorne das Nötigste zum Leben und Kämpfen vorgebracht. Den Stahlhelm über die Ohren gezogen, den Speisetornister oder Tragkorb auf dem Rücken, einen großen Stock in der Hand, so huschten die Träger, Mann hinter Mann, lautlos im Geschwindschritt durch die Nacht. Sie haben oft schwere Stunden durchgemacht, dafür konnten sie sich bei Tag außerhalb des Feuerbereichs erholen und frei bewegen.“


aus: „Das Württembergische Reserve-Inf.-Regiment Nr. 121 im Weltkrieg 1914–1918“ Stuttgart, 1922

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