Sonntag, 28. Mai 2017

28. Mai 1917


„Die Stellung war vom Pöhlberg aus völlig eingesehen und jede Bewegung wurde von dort erkannt und löste Maschinengewehrfeuer aus. Bei Tage war es fast unmöglich, Meldegänger auszuschicken. Hinter der vorderen Linie senkte sich das Gelände und stieg dann nach der großen Straße zu wieder an. Dieser Südhang lag unter ständigem Artilleriefeuer schwerer Kaliber, während die vordere Linie mehr durch Gewehrgra-naten belästigt war.
Als es ganz hell war, gingen die Franzosen gegen den rechten Flügel des II. Bataillons vor und wiederholten eine Stunde später diesen Versuch, doch die 8. Kompagnie unter Leutnant Faber wies die Angriffe mit Handgranaten ab. Der Gegner hatte aber erkannt, daß zwischen der 8. Kompagnie und dem rechten Nebenregiment eine Lücke war und dehnte sich nach dieser Richtung aus.
Dann kam der Infanterieflieger, und die weißen Fliegertücher wurden ausgelegt. Er flog sehr niedrig und photographierte die Stellung, aber die eigene Artillerie schoß dennoch mit mehreren Batterien zu kurz. Diese Batterien ließen sich trotz größter Anstrengung der Infanterie nicht feststellen. An der Somme kamen wenigstens die Artillerieoffiziere hinaus, um Verbindung mit der Schwesterwaffe herzustellen. An dieser Verständigung fehlte es im Frühjahr 1917 aber völlig.
Tagsüber herrschte beiderseits eine gewisse Nervosität, wie immer nach einem Ge-fechtstag. Mehrmals wurde von beiden Seiten Sperrfeuer angefordert. Am Nachmittag versuchten die Franzosen noch einmal einen Handstreich gegen das Franzosennest. Sie wurden abgewiesen. Wir trauten aber dem Gegner durchaus nicht und sicherten bei Einbruch der Dämmerung unsere Linie durch vorgeschobene Posten.
Gegen Abend wurde es ganz ruhig, das war besonders verdächtig. Etwa um 11 Uhr rannten die Vorposten zurück mit dem Ruf: „Se kommet, se kommet!“ Gleich darauf krachte es auch schon von allen Seiten. Aber die Abwehr gelang glänzend. Eine Zeitlang herrschte allerdings ein Handgranatenkampf von solcher Erbitterung, wie ihn noch keiner erlebt hatte. Leucht- und Signalpatronen gingen hoch. Der Pulverdampf war so dicht, daß man nicht durchsehen konnte. Dann setzten auch die Geschütze ein, und die Granaten lagen diesmal richtig. Von hinten rückte Leutnant Schwarz zum Gegenstoß an, aber als das Sperrfeuer aufhörte und der Rauch sich verzogen hatte, war der Gegner in die Dunkelheit eingetaucht, aus der er gekommen war. Wie stark er gewesen, ließ sich nicht feststellen. Nach der breiten Front, auf der er angriff, nach dem starken Hand-granatenfeuer mußte man etwa eine Bataillonsstärke annehmen.“


aus: „Das Württembergische Reserve-Inf.-Regiment Nr. 247 im Weltkrieg 1914–1918“ Stuttgart, 1924

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