Montag, 11. September 2017

11. September 1917


„Das Charakteristische an der Stellung des Regiments war, daß sie auf ihrer ganzen Front im Bann der vom Feind besetzten Höhe 344 lag. Dem feindlichen Beobachter konnte von der weithin sichtbaren Kuppe aus nichts bei uns entgehen, bis zu den Süd-rändern des Waldes von Consenvoye.
Der letzte Versuch der 51. Reserve-Division mit Teilen der 242., die Höhe 344 zurück-zugewinnen, war am 9. September gescheitert.
Der Abschnitt des Füsilier-Regiments wurde durch die Samogneux- und Haumont-Schlucht in drei Teile geteilt. Der erstere zog sich parallel zur Front am Fuß der Höhe 344 entlang. Sie lag dauernd unter Feuer und Gas und trennte wie ein Fluß das am Nordhang der Höhe 344 klebende Kampfbataillon vom Hintergelände. auf die Samog-neux-Schlucht zulief
Jeder Gegenstoß zur Unterstützung der vorderen Linie mußte daher die Samogneux-Schlucht durchqueren. Der Gegner wußte nur zu gut, daß er durch Vergasen dieser Schlucht heraneilende deutsche Unterstützung zum mindesten sehr aufhielt.
Nördlich der Schlucht stieg das Gelände ziemlich steil an und bildete eine Art Hoch-fläche, die mit Wald- und Buschparzellen bedeckt war. Der höchste Punkt war hier 381 Meter.
Die Haumont-Schlucht, die von Norden her rechtwinklig auf die Samogneux-Schlucht zulief, teilte das Gelände scharf in zwei getrennte Höhenzüge. Auf dem östlichen lag das Dorf Haumont. Dieser langgestreckte Einschnitt mit seinen zahlreichen Quer-schluchten (Schwaben-, Bayern-, Krückenschlucht) war nächst der Samogneux-Schlucht die meist beschossene Stelle des Regimentsabschnitts.
Die vorderste Stellung, in der seit dem 11. September das III. Bataillon lag, war eine Trichterstellung. Ein zusammenhängendes Grabensystem war nicht vorhanden. Da der Feind etwa seit 8. September die Lage dieser Besetzungslinie genau erkannt zu haben schien, schob das III. Bataillon aus eigenem Entschluß in der Nacht vom 11. / 12. seine vorderste Postenlinie um etwa 50 Meter weiter nach vorne.
Dicht hinter der Trichterstellung befanden sich 3 große Stollen mit mehreren Aus-gängen, die sogenannte „Landwehr-, Meininger- und Kölnerkaserne“. Hier war der größere Teil der Kompagnien des Kampfbataillons untergebracht.
Die Lage des Kampfbataillons war äußerst ungünstig. Es bestand dauernd die Gefahr, daß der Franzose durch Angriffe von Samogneux und aus der Hindenburg-Schlucht heraus die ganze Trichterstellung von West und Ost her aufrollte, ehe wirksame Unterstützungen durch die Samogneux-Schlucht von rückwärts herangeeilt sein konn-ten. Hinter dem Kampfbataillon lagen die beiden anderen Bataillone (I. und II.) flügelweise als Bereitschaftsbataillone in und bei der sogenannten Hagenstellung, die nördlich des Dorfes Haumont quer durch den Regimentsabschnitt verlief. Sie waren also etwa 2 Kilometer vom Kampfbataillon entfernt. Ihre Unterbringung war mangelhaft. Stollen gab es nur wenige. Ein großer Teil der Mannschaften lag in Zelten und Fuchs-löchern. Nur in der Schwaben- und Bayernschlucht waren einige Stollen und splitter-sichere Unterstände vorhanden, die aber gleichzeitig auch von Batteriebesatzungen benützt wurden.“


aus: „Das Füsilier-Regiment Kaiser Franz Joseph von Österreich, König von Ungarn (4. württ.) Nr. 122 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921

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