Freitag, 22. September 2017

22. September 1917



„In der vorderen Linie lernten wir jetzt erst die ganz unheimliche Gefährlichkeit der „Stollenbohrer“ kennen. So nannten unsere Leute die schweren, sehr spitzen Granaten, die tief in den Boden eindrangen und nach Verzögerung erst krepierten. Man mußte damit rechnen, daß sie 5 bis 6 Meter tief in den Lehm der Obotritenhöhe eindrangen; krepierten sie da, so waren sie noch imstande, einen 7 Meter tiefen Unterstand einzu-drücken und mit ihrem Kohlenoxydgas zu füllen. Dagegen war kein Schutz denkbar. Am 26. und 27. hatten 1. und 2. Kompagnie dadurch schwere Verluste. Man fühlte sich in den tiefen Unterständen wie in einem Grabe hilflos und verlassen, wenn man die großen Eisenklötze heranorgeln hörte. Unwillkürlich erstarb die Unterhaltung. Alles lauschte auf das schnell und furchtbar sich nähernde Geräusch, dann erfolgte eine dumpfe unterirdische Explosion, deren Erschütterung gut zu spüren war. Die Sanitäter banden die Selbstretter um, die Leute hatten die Waffen in der Hand.
„Die war bei der 5. Kompagnie,“ ruft der Posten hinab.
Wu – hu – hu –– rumm!
„Etwa hundert Meter vor uns!“
Es wird noch stiller.
Wu –  hu – hu –– krach!
Es ist, als bräche die Erde zusammen. Der Luftdruck löscht die Lichter. Schwarzes Dunkel. Der Eingang ist verschüttet. Gellende Schreie. Eine ungeheure Last bollert ins Innere. Ein wildes Drängen zum  andern Ausgang. Schreie: Kohlengas! Sanitäter! Aber schon liegen die Opfer am Boden.
Am 26. August werden bei der 1. und 2. Kompagnie je ein Stollen schwer eingedrückt. 13 Tote und Verwundete, 22 Gaskranke verloren die beiden Kompagnien.“


aus: „Das Württembergische Reserve-Inf.-Regiment Nr. 247 im Weltkrieg 1914–1918“ Stuttgart, 1924

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