Sonntag, 24. Mai 2015

24. Mai 1915


„Der 24. Mai sollte dem Regiment neuen Erfolg bringen. Am Morgen dieses Tages war II. Bataillon vorderste, I. zweite Linie, III. Divisionsreserve im Nonne Boschen. 3.45 Uhr vormittags verkündeten 3 rote Leuchtkugeln das Abblasen der inzwischen vorn eingebauten Flaschenbatterien. Anschließend daran sollte erneut angegriffen werden. Infolge zu starken Windes erreichte das ausströmende Gas jedoch nicht die feindlichen Gräben, sondern verflüchtigte sich in die Höhe. Der aufmerksame Gegner quittierte durch heftiges Infanterie- und Artilleriefeuer. Daran scheiterten anfangs wiederholt versuchte Vorstöße des II. Bataillons. Auf widersprechende Meldungen der Verhältnisse beim Gegner an der Bellewaardeferme sandte der Bataillonskommandeur, Hauptmann Nuber, den Bataillonsadjudanten, Leutnant d. L. Wegenast, zur Klärung nach vorn. Dieser riß Teile der 6. unter Lt. Maurer und seine frühere 7. Kompagnie, über einen Zug 247er, der sich eines englischen Vorgrabens nördlich der Ferme bemächtigt hatte, hinwegspringend, mit sich und erreichte als erster die Ferme. Die verblüfften Engländer sprangen in südlicher und westlicher Richtung zurück. Leutnant Wegenast, durch den Erfolg ermutigt, schwenkte mit seinen Leuten und der Gruppe Maurer, der sich später noch ein Halbzug Pioniere anschloß, links in südlicher Richtung, gab wiederholt Verfolgungsfeuer ab und stieß an Eclusette vorbei bis zur Straße Ypern–Hooge vor, dessen 2 westlichste Häuser erreicht wurden. Dort nahm er Verbindung mit Inf.-Rgt. 132, dem Anschlußregiment des XV. Armeekorps auf. Leider verblieb die dortige Kompagnie trotz der Aufforderung, mit vorzugehen, in ihren Gräben.
Dem Bataillon war durch diesen energischen Vorstoß in der Front Luft geschaffen. Dies nützten Kompagnie Schwarzkopf (7.) und Kern (8.) zum Vorgehen bis zu dem von uns „T-Wäldchen“ getauften schmalen Waldstreifen aus. Dort schloß sich späterhin Res.-Inf.-Regt. 247 nach Norden, dem „Eierwäldchen“ zu, an. Ein Brigadebefehl, Höhe 44 westlich Bellewaardeferme vorerst nicht zu überschreiten, war dadurch überholt. In der Front waren die Engländer weiterhin in westlicher Richtung zurückgewichen. Wir alle hatten das Gefühl, daß an diesem Tage Ypern zu erreichen gewesen wäre, zumal wenn die Truppe südlich von uns sich am Vorstoß hätte beteiligen können.
Die auf Anforderung dem Bataillon zur Verfügung gestellte 10. Kompagnie wurde auf Höhe 44 an Stelle der Kompagnie Saif (5.) eingesetzt, welch letztere nach Rückkehr der Gruppen Wegenast-Maurer den Schutz nach Süden gegen Straße Hooge–Ypern übernahm. Die Ferme war inzwischen von Kompagnien des Res.-Inf.-Rgts. 247 besetzt worden.“


aus: „Das Württembergische Reserve-Inf.-Regiment Nr. 248 im Weltkrieg 1914–1918“ Stuttgart, 1924

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