Donnerstag, 7. Mai 2015

7. Mai 1915


„Nun kam ein Mai, wie ihn die Dichter besingen, mit blauem Himmel und weißen Wolken, aber was will der Mai am Kuhkopf? Hier blühen keine Blumen, und der Boden läßt kein Gras mehr sprießen. Ein seltsames Bild, wenn man vom rechten Flügel des Abschnitts A hinüberblickte auf den etwas tiefer gelegenen Kuhkopf. Es war ein wüstes Gewirr von Sandsackaufbauten, Gräben und Sprengtrichtern. Eine weite Steinwüste. Hell brannte die Sonne auf dem weißen Sand. Ein paar Baumstümpfe waren übrig geblieben, und da und dort stand noch ein alter Kämpe aufrecht, aber er war zerfetzt von unzähligen Splittern und Geschossen, verbrannt und angekohlt von explodierenden Minen; trostlos griffen seine Äste ins Leere. Ihm weckte der Mai keine Zweige und kein Laub mehr. Ein braunes Stacheldrahtband zeigte die Grenze zwischen Frankreich und Deutschland an.“


aus: „Das Württembergische Landw.-Inf.-Regiment Nr. 120 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart, 1922

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