Freitag, 21. Juli 2017

21. Juli 1917


Alle Bemühungen konnten nicht darüber wegtäuschen, daß Deutschlands Ernährungs-lage immer schlechter wurde. Das drückte sich hauptsächlich in der Herabsetzung der Brotportion aus, die hart empfunden wurde. In den Bergen wollte der Magen befriedigt sein. Man darf auch nicht übersehen, daß in der Eintönigkeit des Schützengrabenlebens die Abwechslung fehlte, die über manches Entbehren hinweghilft, und daß Nervener-regungen, wie sie bei der Tätigkeit dem Feinde gegenüber immer wieder eintraten, am besten durch vermehrte Nahrungszufuhr ausgeglichen werden. Das konnte nicht mehr in dem gewünschten Maße geschehen. Es ist bezeichnend, daß für die Teilnehmer an den vielen Unternehmungen besondere Verpflegungszulagen gewährt wurden, was dankbar willkommen geheißen wurde.
Am meisten wurden von der Not die Pferde, die treuen Diener und Gefährten, betroffen. Man war zwar schon von der im Frieden gewohnten gleichmäßigen Ernährung notge-drungen abgekommen. Haben wir doch zeitweise im Osten, als der Nachschub wegen der schlechten Wege versagte, die Pferde mit dem Dachstroh der Häuser und mit Kartof-feln durchgebracht, aber das war vorübergehend. Nun mußte man sich dauernd behel-fen. Laubheu wurde genommen, Ersatzfutter aller Art wurde verwendet, Weiden wurden in größerem Umfang gepachtet, eine weitgehende Schonung mußte Platz greifen. Als dann bis zur neuen Ernte 1917 ein zweimonatlicher Haferbedarf eingespart werden mußte, wurde es schwer, die Tiere überhaupt durchzubringen. Viele Sorgen und Überle-gungen traten an die Kommandobehörden heran, man wußte ja nicht ob und wann plötzlich eine Inanspruchnahme aller Kräfte nötig werden könnte. Jetzt durfte nicht mehr im Trab gefahren werden.“

aus: „Die 26. (württ.) Landwehr-Division im Weltkrieg 1914-18“, Stuttgart 1922


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