Sonntag, 14. August 2016

14. August 1916


„In der Nacht vom 11./12. August wurde das Regiment wesentlich nach links bis zur Straße Guillemont – Longueval verschoben, offenbar weil die 27. Division mit den ihr zu Gebote stehenden Kräften die eingangs erwähnte Lücke nicht auszufüllen vermochte. Diese Verschiebung vollzog sich glatt, war aber für das Regiment eine wesentliche Erschwernis. Ganz abgesehen davon, daß ein mit unendlicher Mühe und Arbeit allmählich verbesserter Stellungsteil rechts abgegeben und gegen einen so gut wie gar nicht ausgebauten, weil zuvor unbesetzt gebliebenen Stellungsteil links eingetauscht werden mußte, vergrößerte sich auch noch der vom Regiment zu haltende Abschnitt. I)m Anschluß an die Stützpunktlinie fiel dem Regiment nunmehr auch der nördliche Teil von Ginchy zu, dessen Ruinen, wie die der übrigen benachbarten Dörfer, fortgesetzt feindlichen Feuerüberfällen aller Kaliber ausgesetzt waren. Die Besetzung der neuen Linie mit Truppen war eine recht dünne.
Es folgten nun Tage der schwersten Abwehrkämpfe. Immer mehr anhaltende und anschwellende Artillerietätigkeit des Feindes leitete zu Großkampfhandlungen über.
Niederdrückend wirkte moralisch die sich jedem von uns aufdrängende Erkenntnis, daß der Gegner uns, zwar nicht an Mut und Ausdauer, wohl aber an Kampfmitteln – leben-den wie toten – weit überlegen war. Wir waren in die „Materialschlacht“ eingetreten. Daß der Gegner immer neue Divisionen vorführen konnte, während unsere Parole lautete, aushalten bis zum letzten Mann und bis zum letzten Blutstropfen, war uns nichts Neues. Eine solche Überlegenheit an Artilleriematerial aber hatten wir doch nicht vorausgesetzt, Dazu tauchten immer neue Kampfmittel auf, an die wir uns gewöhnen mußten, sehr unangenehm wirkende Flaschenminen, die erheblich weiter reichten als unsere Minen, Brandbomben, die auf die Ortschaften geworfen wurden, alle Arten giftiger Gasgeschosse und Gift in allen Anwendungsformen.“



aus: „Das Infanterie-Regiment „Kaiser Friedrich, König von Preußen“ (7. Württ.) Nr. 125 im Weltkrieg 
1914–1918“ׅ, Stuttgart 1923


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