Sonntag, 7. August 2016

7. August 1916


„Auch der 6. August blieb ruhig. Dann  aber kam der 7. mit seinen unheilvollen Ereignissen, bei denen das Regiment ein Opfer seiner eigenen Tapferkeit und seines treuen Ausharrens werden sollte.
Um 6 Uhr vormittags begann plötzlich ein lebhaftes russisches Feuer aus Geschützen aller Kaliber auf die ganze Front des Regiments. Zahlreiche Fesselballons standen hinter den Höhen. Flieger kreuzten über den Stellungen. Eine halbe Stunde später schossen bereits etwa 15 feindliche Batterien auf die vorderste Linie. Alle Artilleriestellungen der Artilleriegruppe Pfannenstiel, sämtliche Anmarschwege, Straßenkreuzungen und die Orte Hrynowce, Kolince und Tlumacz lagen unter schwerem Feuer. Zeitweise steigerte sich die Beschießung zu dem Grad, für dessen Bezeichnung man im Westen das Wort Trommelfeuer“ damals geprägt hatte. Außer Granaten aller Kaliber schlugen zahlreiche schwere und mittlere Minen vor allem bei den Hindernissen ein und rissen dort meterbreite Lücken. Zwei dieser Minenwerfer wurden gegen ½7 Uhr am Kirchhof von Korolowka entdeckt und unter Feuer genommen.
Vom Füsilier-Regiment lagen zwei Bataillone in vorderer Linie. Wie bisher war II. Bataillon rechts, III. links, dazwischen die 4. und 1. Kompanie. Der Rest des I. Bataillons, noch am Morgen des 7. August Heeresgruppen-reserve in Kolince, wurde später als Regimentsreserve hinter den linken Flügel gezogen.
An sonstigen Reserven standen im Raume der 6. Kavallerie-Truppen-Division noch zur Verfügung:
-        die Kavallerie Fuß-Division (900 Gewehre, 2 Maschinengewehre) unter Oberstleutnant von Rohn und
-        die Schützen-Division 2./6 (700 Gewehre) unter Oberstleutnant Mierka.
 Beide Abteilungen lagen 6.30 Uhr vormittags in Kolince. Um ½9 Uhr wurde die Kavallerie-Fuß-Division von Rohn dem Füsilier-Regiment 122 unterstellt und in zwei Abteilungen geteilt. Die eine Hälfte unter Führung von Major Waldstein wurde Major Bürger unterstellt, die andere Hälfte unter Graf Garibaldi hinter das II. Bataillon gezogen.
Als Reserve der Division blieb die Schützen-Division 2./6 am Südausgang von Hryniowce und nahm Verbindung mit dem II./122 und dem rechts anschließenden k. u. k. Infanterie-Regiment 13 auf.
Das russische Feuer hielt den ganzen Vormittag in gleicher Stärke an. Die schweren Minenwerfer des Feindes, die außerordentlich geschickt im Gelände versteckt waren, zerstörten einen großen Teil unserer Gräben. Bei der 12. Kompanie waren bis 12 Uhr mittags mehr als 150 Meter Graben eingeebnet. Um ½10 Uhr war eine Verbindung zwischen dem rechten Flügel 122 und dem linken des Infanterie-Regiments 13 nicht mehr möglich, da schwere Minen den Graben vollkommen zerstört hatten. Das Hindernis war zerrissen. Nur die dort eingebauten Gewehre der Maschinengewehr-Abteilung 3 waren noch unversehrt geblieben, und das war das Wichtigste.
Von der russischen Infanterie war bis jetzt nichts zu sehen. Nur vor Infanterie-Regiment 13 bemerkte man einige Ansammlungen, die aber durch unsere Artillerie wieder zerstreut wurden. Allmählich jedoch war deutlich zu erkennen, daß vor der Front des Füsilier-Regiments sich die Russen zu einem Angriff bereitstellten. Man konnte beobachten, wie an vielen Stellen die Besatzungen der russischen 2. und 3. Linie sich nach vorne in die Sturmstellung schoben und sich dort in dichten Massen einnisteten. Die Artillerie erhielt daher Befehl, ihr Feuer auf diese Stellungen zu konzentrieren.
Obwohl schwere Artillerie die russischen Minenwerfer fast dauernd unter Feuer hielt, gelang es nicht, diese zum Schweigen zu bringen. Allem Anschein nach wechselten sie ihre Feuerstellungen. Die Russen hatten auch gelernt.
Das Hauptfeuer der feindlichen Batterie lag auf dem Gelände nördlich Korolowka. Auch stellte sich bald heraus, daß sich russische Abteilungen in großer Anzahl nach dem Dorfe hineinschlichen. Hier lag also zweifellos die vom Feinde in Aussicht genommene Einbruchstelle. Die Abteilung Garibaldi wurde daher hinter den linken Flügel des II. Bataillons gezogen. Auch wurde die Divisionsreserve – Schützen-Division 2./6 – vom Ausgang von Hryniowce weiter nach Süden vorgeschoben, um rascher zur Hand zu sein, falls dem Feind der Durchbruch gelingen sollte.
Es war somit alles geschehen, was an Vorbereitungen für eine Abwehr überhaupt geschehen konnte.
Die Uhr ging auf 12 Uhr mittags. Das III. Bataillon meldete jetzt starke russische Ansammlungen in der Mlynowka-Niederung. Die 12. Kompanie leidet wieder scher unter feindlichem Minenfeuer.
Bei der 119. Infanterie-Division links ist ebenfalls die ganze Stellung in Rauch und Dampf gehüllt. Die Höhe von Jakowka erhält besonders starkes Feuer. Dasselbe Bild bietet sich rechts bei den Österreichern (Infanterie-Regiment 13 und Honved). Überall zahllose Einschläge, Rauchsäulen, Dampfschwaden.
Gegen ½12 Uhr mehren sich die Anzeichen für den unmittelbar bevorstehenden Angriff auf der ganzen Front. Überall liegen jetzt die russischen Sturmkolonnen vor unsern Gräben, Die Artillerie erhält Befehl, sich zum Sperrfeuer bereit zu halten und mit aller ihr zur Verfügung stehenden Munition den erwarteten Sturm des Feindes zu zer-schlagen.
Punkt 12 Uhr ruft es in allen noch bestehenden Fernsprechleitungen: „Die Russen greifen auf der ganzen Front an!“
Sofort legt die Artillerie ein mächtiges Schrapnellfeuer vor die Hindernisse. Die Maschinengewehre – von 25 war nur eines unbrauchbar geworden – feuern in die dichten russischen Haufen hinein, Die Kompanien halten sich prächtig. An keiner Stelle des Regimentsabschnitts vermögen die Russen über das Drahtverhau hinauszukommen, auch da nicht, wo die russischen Minenwerfer nicht mehr viel von einem Hindernis übrig gelassen hatten. Hier und dort kommt es zum Nahkampf mit Bajonett und Handgranate. Aber alle Bemühungen nützen den Feind nichts. Gegen ½1 Uhr ist kein lebender Russe mehr vor den Gräben des Regiments. Der Angriff ist restlos abge-schlagen. Haufen feindlicher Infanterie fluten in den 200 Meter vor unserer Stellung liegenden Graben zurück.
Um 12.30 Uhr nachmittags tritt etwas Ruhe ein. Die Verluste der Kompanien sind verhältnismäßig gering. Die Stimmung ist ausgezeichnet. Die Bataillone fühlen sich als Herren der Lage.
Das russische Artilleriefeuer setzt von neuem ein. Um 12.40 Uhr nachmittags tauchen aus der zerwühlten Erde vor den Stellungen der Füsiliere neue Russenhaufen auf. Und wieder wollen sie stürmen. Aber wieder schlägt ihnen ein Hagel von Blei und Eisen entgegen, und auch dieser Angriff bricht blutig zusammen. Unzählige Tote liegen vor unserer Front. Der Feind verkriecht sich in seine Stellungen. All seine ungeheure Kraft ist an der Tapferkeit und Ausdauer der Füsiliere zerschellt.

Aber während hier auf den Höhen von Korolowka das Regiment 122 in heldenmütigem Ringen gegen eine mehr als vierfache Übermacht keinen Fuß breit seiner Stellung dem Feinde läßt, vollzieht sich zu seiner Rechten und Linken das unheilvolle Geschick des Tages.
Beim Bataillonsstab Niebur (II.) trifft kurz nach ½1 Uhr ein Verbindungsoffizier des Infanterie-Regiments 13 ein mit der Meldung, daß weiter rechts – wo, war nicht genau bekannt – der Russe die Front durchbrochen habe. Anscheinend bei Tarnowica Polna. Man nimmt die Sache zunächst nicht tragisch. Tarnowica ist 2½ Kilometer entfernt. Das Regiment erhält aber Meldung.
Gleichzeitig etwa beobachtet der Regimentsstab auf den Höhen von Jakowka (links von uns), wo die 105. Division liegt, wie eigene Infanterie zurückgeht. Es kann kein Zweifel sein, es sind eigene Truppen. Vom Regimentsgefechtsstand aus sieht man ferner eine Batterie querfeldein zurückjagen. Anfrage bei der Division. Es kommt die Auskunft, die Russen seien tatsächlich links von der 119. Infanterie-Division durchgebrochen. „Es seien aber Gegenangriffe im Gang!“ Das Regiment solle seine Stellung halten!
Und das Regiment hält seine Stellung. Aber von dem erwarteten Gegenangriff sieht man nichts. Dafür kommen jetzt von rechts neue beunruhigende Nachrichten: Die Front der 5. Honved-Division sei durchbrochen. Das Infanterie-Regiment 13 (unsere rechten Nachbarn) müsse seinen rechten Flügel bereits auf Punkt 288, 2½ Kilometer nördlich Tarnowica Polna zurückbiegen und habe schwere Verluste.
Wieder Anfrage bei der Division. Wieder die Antwort: Gegenangriffe seien im Gange, dem Füsilier-Regiment drohe keine Gefahr, es solle seine Stellung unter allen Umstän-den halten!
Und das Regiment hält seine Stellung. Um 1.20 Uhr nachmittags wird ein neuer russischer Angriff glatt abgewiesen, wo nicht durch Feuer, da mit der blanken Waffe.
Plötzlich aber sieht man – etwas um die Zeit dieses Angriffs – das linke Nachbar-regiment, Reserve-Infanterie-Regiment 46, zurückgehen und von allen Seiten die Russen in die dortigen Stellungen einbrechen. Und ganz das gleiche Bild zeigt sich rechts. Infanterie-Regiment 13 ist überrannt, die Russen dringen in Flanke und Rücken des II. Bataillons der Füsiliere. Der Bataillonsstab wird überrascht, Major Niebur fällt verwundet in Feindeshand. Sein treuer Bursche Ullrich bleibt bei ihm.
Die ganze 119. Infanterie-Division weicht jetzt, kurz nach 2 Uhr, zurück. Links soweit man sieht, fliehende Österreicher und verfolgende Russen.
Und noch immer steht das Füsilier-Regiment zum größten Teil in seiner Stellung.
Da kommt von der 6. Kavallerie-Truppen-Division um 2.10 Uhr nachmittags der telephonische Befehl:
„Die Front bei Tarnowica Polna durchbrochen. Das Füsilier-Regiment 122 räumt seine Stellung und geht auf die Höhen südöstlich Kolince zurück.“
Aber es ist zu spät.
Auf dem rechten Flügel bei der 5., 6. und 8. Kompanie brechen jetzt von allen Seiten, besonders aber von rückwärts die Russen in die Gräben ein. Erbittert wehren sich die Kompanien. Von Osten her fluten Massen von Feinden in die Stellungen des III. Bataillons hinein. Auf beiden Seiten umfaßt, von der Front, Flanke und Rücken gleichzeitig mit Übermacht angegriffen, bricht die Front des Regiments nach so heldenmütiger Verteidigung zusammen.
Das Infanterie-Regiment 13 rechts ist nicht mehr. Russische Kavallerie jagt dort das Dustow-Tal nach Norden hinauf. Die Russen machen alles nieder, was ihnen in die Hände fällt. Einzelne Abteilungen des Füsilier-Regiments schlagen sich, hart verfolgt nach Norden durch gehen Hryniowce. Ein Hagel von Gewehr- und Maschinen-gewehrfeuer schlägt hinter ihnen her. Kleine Abteilungen setzten sich östlich des Dustow-Baches auf einzelnen Höhen nochmals fest, um die anderen im Schutze ihres Feuers aufzunehmen.
Um ½3 Uhr erreicht das Füsilier-Regiment das Dorf Hryniowce. Von einem Front-machen auf den Höhen südöstlich des Dorfes kann keine Rede mehr sein. Russische Kavallerie und dahinter Infanterie kommt aus Nordosten, aus Richtung Tlumacz. Drüben, wo das Regiment 13 zurückflutete, sieht man Munitionskolonnen und Bagagen nach Norden jagen. Dahinter her Reitergeschwader des Feindes. An irgend eine Führung ist nirgends mehr zu denken. Wo der Divisionsstab ist, weiß niemand. Aus Hryniowce fliehen die Einwohner mit Sack und Pack und tragen dazu bei, die Straßen zu verstopfen. Überall wogt und flutet es nach Norden und Nordwesten zurück. Kosaken attackieren Bagagen nördlich Hryniowce, werden aber vertrieben.
Oberstleutnant von Alberti hatte in dieser Lage nur noch einen Gedanken, einen Wunsch, die Reste seines Regiments an irgend einer Stelle wieder in eine Linie zu bringen, und eine wenn auch noch so schwache Front zu schaffen, in der das allgemeine Zurückfluten wieder zum Stehen gebracht und den Russen nochmals Halt geboten werden kann.
Nordwestlich Kolince verläuft etwa in der Linie Zadne – Nadorozna eine zweite vorbereitete Stellung. Hierein werden alle Teile des Regiments und die österreichische Fuß-Division gewiesen. Der Regimentskommandeur steht an der Straße Kolince – Nadorozna, wirft die beiden noch intakten Kompanien des I. Bataillons (2. und 3.), die nicht in vorderer Linie gestanden, in die Gräben nördlich der Straße und gibt jeder ankommenden Abteilung ihren Platz.
Gegen 3 Uhr liegt das, was vom Regiment noch vorhanden ist, in dieser Stellung.

Weiter westlich gelingt es nicht, die zurückkommenden Teile des k. u. k. Regiments 13 in dieser Stellung zum Halten zu bringen. Die Leute haben völlig den Kopf verloren und hasten nach Norden weiter.
Schon schlagen die ersten russischen Granaten auch in diese Stellung. Am Walde westlich Hryniowce tauchen Kosaken auf.
Rechts (westlich) vom Regiment 122 ist niemand mehr. Der Feind dringt dort unaufhaltsam vor. Die Füsiliere müssen ihren rechten Flügel zurückbiegen, um von den Russen nicht erneut in der Flanke gefaßt zu werden.
In der Stellung liegen etwa 450 Mann des Regiments. Von der 2. Maschinengewehr-kompanie (Maentel) kommen 4 Gewehre zurück. Sie werden am rechten Flügel eingebaut. Von der 1. Maschinengewehrkompanie weiß man nichts. Der Führer, Ober-leutnant Bauer, ist verwundet, Leutnant May gefallen. Die Maschinengewehrabteilung 3 hat im Kampf alle 8 Gewehre verloren. Ihr Führer, Hauptmann von Pogrell, ist vermißt (gefallen). Links ist nirgends etwas von Nachbartruppen zu sehen. 40 gesammelte österreichische Dragoner sichern gegen die Wälder. Gegen 4 Uhr nachmittags erschei-nen einzelne Versprengte des k. und k. Landwehr-Regiments 2 bei Nadorozna.
Zahlreiche russische Kolonnen sieht man nach Hryniowce und Kolince hineinströmen. Auf den Höhen hinter diesen Dörfern erscheint ein großes feindliches Reitergeschwader, dem eine weiße Standarte vorangetragen wird. Aus Richtung Tlumacz rücken starke Abteilungen heran. Aus der Gegend von Korolowka kommen große feindliche Reserven in geschlossenen Formationen.
Und hier steht einsam und müd gehetzt ein Häuflein von 450 Füsilieren und ein paar hundert Österreicher!
Russische Batterien fahren im Galopp am Wege Korolowka – Hryniowce auf. Am Dorfrand von Kolince wogen jetzt lange feindliche Schützenketten.
Rechts in den Wäldern soll sich irgendwo eine Abteilung des k. und k. Infanterie-Regiments 13 gesammelt haben. Aber bis zu ihr klafft eine kilometerbreite Lücke. Der Kommandeur des Regiments 13 erklärt, er könne diese Lücke nicht ausfüllen. Einen Gegenstoß des Regiments 13, den Oberstleutnant von Alberti verlangt, um das Loch zu schließen, lehnt Regiment 13 als unausführbar ab. Die Füsiliere, die jetzt schon auf eine Front von 3 Kilometern verteilt sind, können die Lücke nicht besetzten.
So bleibt sie offen – und in sie hinein stößt der Feind unaufgehalten und unbeschossen.
Es ist 5 Uhr nachmittags. Mancher wünscht, „es wäre Abend und die – “, doch halt, das paßt diesmal durchaus nicht. Wo ist die 119. Division? Wo mag die 105. sein. Niemand ahnt es. Man sieht nur Russen und wieder Russen.
Da kommt von irgendwo her der Befehl der 6. Kavallerie-Truppen-Division: Das Regiment solle weiter zurückgehen! Die Truppen der Division würden auf die Höhen südöstlich Przeniczniki zurückgenommen werden.
Es ist höchste Zeit. In der bekannten Lücke zwischen 122 und 13 sind bereits stärkere feindliche Abteilungen durchgestoßen. Schon kommt Maschinengewehrfeuer von Rückwärts. Die Westflanke ist fast völlig umklammert. Am linken Flügel gehen 200 Österreicher, die dort mit den Füsilieren die Stellung besetzt hatten, ohne Befehl zurück. Russische Infanterie steigt die Hänge gegen Nadorozna herauf. Aus Kolince heraus kommen große geschlossene Infanterie-Abteilungen.
Um ½6 Uhr befiehlt der Regimentskommandeur den weiteren Rückzug nach Nordwesten auf Przeniczniki. Er hätte es wohl auch ohne Befehl der Division getan, um seinen letzten 450 Mann das Schicksal des Regiments vom Vormittage zu ersparen, nämlich von beiden Seiten gefaßt und erdrückt zu werden.
Es gelingt, die dünne Besatzung der Gräben – alle 12 Meter liegt 1 Mann – in einem ordnungsmäßigen Rückzug durch eine versteckte Waldschlucht, die Oberstleutnant von Alberti von einer früheren Erkundung bekannt war, in die befohlene Linie zurück-zubringen. Ohne diesen verborgenen Waldweg wäre das Regiment nicht mehr zurück-gekommen.
Auf der Höhe 310 überbringt ein Ordonnanzoffizier der 6. Kavallerie-Truppen-Division den Befehl der Gruppe Kraewel, „die Stellung sei bis zum letzten Mann zu halten.“ Dieser Befehl paßte nicht mehr zur Lage. Wäre er in Wirklichkeit ausgeführt worden, so hätte er neben unnötigen blutigen Opfern höchstens den Erfolg gehabt, den Russen den Vormarsch zu erleichtern. Denn hinter dem Füsilier-Regiment und der 6. Kavallerie-Truppen-Division stand zur Stunde kein Mann Reserve mehr.
Kurz vor Einbruch der Dämmerung hatten die zurückgehenden Teile des Füsilier-Regiments die Höhe 310 erreicht. Es wurden rasch 3 Bataillone gebildet. Führer des I. Bataillons mit 180 Mann war Major Bürger, das II., gleich stark, Leutnant Hachtel. Das III. führte Major Wolter. Diese sogenannten „Bataillone“ gruben sich beiderseits der Höhe 310 nebeneinander ein, Front nach Südosten. Beim II. und III. Bataillon wurden je 2 Maschinengewehre eingebaut. Rechts schloß die Kavallerie-Fuß-Division Rohn an bis zur Höhe 287. Links waren, trotz dauernden Suchens durch Patrouillen, nirgends eigene Truppen zu finden.
Der Russe drängte zunächst nicht mehr nach. Man konnte jetzt mal aufschnaufen. Bis Mitternacht fielen nur einzelne Schüsse.
Trotz des schweren Schlages war die Stimmung der Mannschaften immer noch gut. Ohne Gepäck und Mantel mußten sie in der kalten Nacht in ihren nassen Schützen-löchern liegen.“


aus: „Das Füsilier-Regiment Kaiser Franz Joseph von Österreich, König von Ungarn (4. württ.) Nr. 122 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1921

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