Montag, 15. August 2016

15. August 1916


„Die Leistungen der Mannschaften in dieser Zeit waren über jedes Lob erhaben. Kein Laie, kein Friedenssoldat kann sich vorstellen, was es heißt, tage- und wochenlang stillzuliegen unter feindlichem Trommelfeuer, jeden Augenblick des Todes gewärtig, in Schmutz und Schlamm zusammengepfercht in öden Kellern oder sumpfigen Granat-löchern, hungernd und durstend und in diesem Zustand noch angespannt auf den Feind zu lauern, bis es ihm beliebt, zum Sturm zu schreiten, dann aber sich zu erheben und ihm opferwillig mit dem letzten Rest der Kräfte die Stirn zu bieten.
Die Verpflegung der kämpfenden Truppen war sehr schwierig. Die Feldküchen konnten nur nachts vorfahren, aber auch da nicht weit, sie mußten schon hinter den Feldartil-leriestellungen halten, die Anmarschwege lagen unter schwerstem Feuer. Leute von den ruhenden Truppen (Le Transloy und Le Mesnil) mußten ausgeschieden werden, die den Kämpfern in Speiseträgern das Essen vorbrachten. Das dauerte stundenlang und trotz der Wärme erhaltenden Einrichtung der Speisträger kam das Essen fast stets kalt vorne an, wenn es überhaupt ankam, denn mancher dieser Träger fiel auf seinem nächtlichen Gange. Später wurde die Truppe zur Erwärmung des Essens mit Hartspiritus ausge-rüstet. Teilweise herrschte große Hitze, die den Durst in hohem Grade auslöste, alles schrie nach Wasser. Den Nachschub an Verpflegung leitete der frühere Lagerkomman-dant von Kruisek, Leutnant Wahl. Im war es geglückt, auf 4 Wagen mit der gesamten Bagagemannschaft des II. Bataillons 10 000 Flaschen Mineralwasser aus dem brennen-den Gueudecourt herauszuholen. Das war erfreulich.
Infolge der Hitze, der unregelmäßigen Verpflegung, vielleicht auch infolge der Fliegen-plage, die namentlich in den Ruheortschaften sehr peinigend auftrat, entstanden, um unsere Leiden zu vermehren, auch noch epidemisch auftretende Darmerkrankungen. Diese schwächten die Truppe nicht nur an Zahl, sondern beeinträchtigten auch deren Widerstandskraft ganz wesentlich. Wer irgend konnte, blieb am Feind.“

aus: „Das Infanterie-Regiment „Kaiser Friedrich, König von Preußen“ (7. Württ.) Nr. 125 im Weltkrieg 1914–1918“ׅ, Stuttgart 1923

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