Dienstag, 30. August 2016

30. August 1916


„Endlich scheint es am 28. August, als ob ein großer feindlicher Angriff erfolgen soll. In den französischen Linien herrscht lebhafte Bewegung. Die Stellung und das in zweiter Linie schanzende I. Bataillon wird heftig von feindlicher Artillerie beschossen. Rechts und links bei Vauquois und Avocourt rast das Infanteriefeuer. Schreie und Hornsignale schallen aus den französischen Gräben herüber, und im Abenddämmer steigen unzählige bunte Leuchtkugeln auf, ein prächtig schönes Feuerwerk, soweit das Auge reicht. Aber es erfolgt kein Angriff. Es ist nichts als ein großes französisches Freudenfeuerwerk zur Feier der rumänischen und italienischen Kriegserklärung. Nur einmal haben die Maschinengewehre Gelegenheit, auf einen Gegner zu feuern. Zwei Flieger sind nach kurzem Luftkampf abgestürzt, der eine ist brennend heruntergefallen, der andere ist in steilem Gleitflug zwischen den französischen Linien gelandet. Da stürzen die Franzosen aus ihren Gräben heraus, und wilder Jubel steigt auf, als mancher im Maschinen-gewehrfeuer draußen liegenbleibt, während die anderen wie der Blitz in den Gräben verschwinden.
Sonst ereignet sich in der Stellung nichts. Nur aus weiter Ferne funkt der Gegner heimtückisch herüber, und in seinem Feuer arbeitet man und vegetiert man dahin in elenden Erdhöhlen mit Schmutz und Ungeziefer behaftet. Aus dem Soldaten ist ein feldgrauer Arbeiter geworden, der im ständigen Kampf mit Wasser und Schlamm die stets sich erneuernde Sisyphusarbeit zu leisten hat, ein über 10 Kilometer langes Grabensystem in Ordnung zu halten. Was man mit unendlicher Mühe an einem Tage geschafft hat, wird am nächsten Tage durch Feuer und Regengüsse wieder vernichtet.“


aus: „Das Württembergische Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 124 im Weltkrieg 1914–1918“, Stuttgart 1920

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