Donnerstag, 18. August 2016

18. August 1916


„Mit einem höllischen Trommelfeuer leitet der Gegner in den frühen Morgenstunden des 18. August den Großkampftag ein, der für das württembergische Kaiser-Regiment ein Ehrentag werden sollte. Von der Höhe 157 östlich Ginchy erblickt das Auge im Westen in kurzer Zeit nur noch eine Staubwolke, über der der Himmel in seinem schönsten Blau leuchtet und riesige feindliche Fliegergeschwader ihre Kreise ziehen. Guillemont ist nicht zu sehen, seine Lage aber ist erkenntlich an den rötlich gefärbten Staubwolken, die vom Einschlag der Granaten in das Mauerwerk herrühren. Unsere schwer kämpfende Artillerie tut ihr Möglichstes, um dem Gegner seine Angriffslust zu verderben. Auf den bekannten Bereitstellungsplätzen der englischen Infanterie sieht man allenthalben unsere 21-cm-Granaten einschlagen. Um 3 Uhr nachmittags endlich glaubt der Engländer mit seiner Artillerie die deutschen Truppen so zerschlagen zu haben, daß seine Infanterie ohne Kampf nur noch in Guillemont einzurücken brauche; aber er hat seine Rechnung ohne die Württemberger gemacht. Kaum werden in dem Staub die verschwommenen Gestalten der feindlichen Sturmwellen sichtbar und schon jagen unsere glänzenden Maschinengewehre von der Kiesgrube vorwärts Guillemont aus ihre todbringenden Geschosse nach allen Seiten ihnen entgegen. Mit eiserner Ruhe bedienen die wenigen noch kampffähigen Maschinengewehr-Schützen ihre Gewehre; heldenmütige Leistungen, wie sie nicht übertroffen werden können, verrichtet insbe-sondere Unteroffizier Schwarz der M.-G.-K. Scheidler. Tapfer stehen ihnen Infanterie-abteilungen der 1. und 2. Kompagnie zur Seite. Mit ihren Führern Leutnant d. R. Karl Schmid und Leutnant d. R. Lott an der Spitze gelingt es den vereinten Anstrengungen der Kiesgrubenbesatzung, den die Mitte des Regimentsabschnitts angreifenden Gegner immer wieder mit blutigen Köpfen heimzuschicken. Auf dem rechten Flügel des Regiments, dessen Schwäche der Engländer richtig erkannt hat, geht uns nach hartem Kampf der Bahnhof von Guillemont verloren. Teile seiner Besatzung fallen in Feindes-hand. Vom Regiment werden der schwer bedrohten rechten Flügelkompagnie (3.) die Reservekompagnien des III. Bataillons zur Hilfe gesandt. Nur kleine Abteilungen von ihnen gelangen durch das mächtige feindliche Artilleriefeuer hindurch nach vorne, aber sie genügen, um auch hier dem Engländer jedes weitere Vorwärtsdringen erfolgreich zu verwehren. An der Spitze seiner 12. Kompagnie erhält Leutnant Essig seine achte, dieses Mal todbringende Wunde. Auf dem linken Flügel der Regimentsstellung, wo die 4. Kompagnie kämpft, bleibt der Gegner unterdessen nicht untätig. Nach zahlreichen erfolglosen Anstürmen dringen schließlich kleine Abteilungen an der Regimentsgrenze ein. Durch einen schneidig geführten Gegenstoß eines Zuges der 4. Kompagnie unter Leutnant Bazing werden sie mit der blanken Waffe und mit Handgranaten alsbald wieder herausgeworfen.
Der Tag neigt sich seinem Ende zu; blutigrot färbt die untergehende Sonne das Schlacht-feld, über dem sich die Staub- und Pulverdampfwolken langsam verziehen. Die heiß umstrittenen Trümmer Guillemonts werden wieder sichtbar; sie sind vollkommen in der Hand des Regiments. Der weit überlegene Einsatz von Menschen und Material von seiten des Gegners hat nicht vermocht, die unbeugsame Widerstandskraft unserer Infanterie zu brechen.“



aus: „Das Infanterie-Regiment „Kaiser Wilhelm, König von Preußen“ (2. Württemb.) Nr. 120 im Weltkrieg 1914–1918ׅ, Stuttgart 1922

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