Freitag, 5. August 2016

5. August 1916


„Unsere erste Somme-Stellung lag nördlich Ginchy, vordere Linie in der Hauptsache am Ostrand des Delville-Waldes. Sie war im Rückzugskampfe entstanden. Diese Tatsache genügte, um im voraus sich ein Bild von ihrer Beschaffenheit zu machen. Die 1. Stellung bestand aus der vorderen Linie und der Stützpunktlinie. Die vordere Linie war eine unzusammenhängende Trichterlinie, die Stützpunktlinie täuschte mit ihrem Namen etwas vor, was nicht vorhanden war, auch diese Linie war unzusammenhängend, die einzelnen Teile waren schlechte Schützengräben. Besser war die 2. Stellung, sie war gut ausgebaut und mannstief, anscheinend noch eine Arbeit aus granatenloser Zeit.
Von der 2. Stellung fiel das Gelände nach dem Feinde zu langsam ab und stieg nach Ginchy und dem Delville-Wald wieder an, so daß von der 2. Stellung, namentlich vom rechten Flügel aus, fast das ganze Gefechtsfeld übersehen werden konnte. Dort schlug daher der Regimentsstab seinen Gefechtsstand auf, in einem Erdloch mit einigen Brettern darüber. Mit Unterbringungs- und Deckungsmöglichkeiten sah es überhaupt übel aus, auch gab es keinerlei gedeckte Annäherungswege, einen von der 2. zur 1. Stellung angelegten hatten die feindlichen Geschosse eingeebnet. Die flüchtig hingeworfenen Drähte vor sämtlichen Linien konnten keinen Anspruch auf die Bezeich-nung „Drahthindernis“ machen.
Anschluß rechts an Gren.-Reg. 12, später an Gren.-Reg. 119 war vorhanden, links klaffte eine große Lücke. Verbindung mit der 27. Division links war in der vorderen Linie nur durch Patrouillen, in den hinteren Linien überhaupt nicht zu finden. Der Gegner saß in dem vor einigen Tagen eroberten Delville-Wald fest, nördlich gingen seine Linien nach dem Foureaux-Wald weiter, südlich über die Zuckerfabrik westlich an Guillemont vorbei.“

aus: „Das Infanterie-Regiment „Kaiser Friedrich, König von Preußen“ (7. Württ.) Nr. 125 im Weltkrieg 1914–

1918“ׅ, Stuttgart 1923

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